Wirtschaft : Zurückhaltende Anlagepolitik bei DWS

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Das Vertrauen der Konsumenten und die Arbeitslosigkeit haben zwar nach Einschätzung von DWS Investment, der Fondtochter der Deutschen Bank, hierzulande noch nicht ihren schlechtesten Punkt erreicht. Trotzdem rechnet Klaus Kaldemorgen, Leiter des Aktienfonds-Managements, für das erste Quartal des kommenden Jahres wieder mit anziehenden Aktienkursen in Europa und in Amerika. "Der Konjunktureinbruch ist an den Börsen schon ausgestanden. Auch die Technologie-Blase ist in den Kursen überwunden", sagte Kaldemorgen am Montag bei der Jahrespressekonferenz der DWS in Frankfurt (Main). Freilich warnt Kaldemorgen vor überzogenen Erwartungen. "Einen Boom der Aktienmärkte, wie wir ihn Ende der 90-er Jahre gesehen haben, werden wir nicht erleben."

Als weitere gute Basis für wieder steigende Aktienkurse sieht Kaldemorgen die massiven Zinssenkungen der US-Notenbank und die von ihm erwartete weitere Lockerung der Geldpolitik in Europa. Auch die Konjunkturprogramme in den USA sollten die Börse beleben. Allerdings könnte die Ausweitung des militärischen Konfliktes in Afghanistan oder auch weitere Terroranschläge das Szenario über den Haufen werfen. "Dann haben alle Prognosen keine Gültigkeit mehr."

Tritt auf die Kostenbremse

Vor diesem Hintergrund müssten die Fondsmanager der DWS derzeit einen schwierigen Spagat bewältigen, um sich mit ihrer Anlagepolitik auf einen Konjunkturaufschwung und wieder steigende Kurse einzustellen und zugleich politische Risiken nicht aus den Augen zu verlieren. Bei der DWS werden zur Zeit Ölaktien, aber auch Papiere aus dem Technologie-Sektor und der Tourismus-Branche favorisiert. Allerdings ist der Anteil an liquiden Mitteln in den DWS-Fonds mit rund zehn Prozent immer noch hoch.

Auch am Neuen Markt sieht man bei der DWS wieder Chancen. "Die Krise dort ist ausgestanden", sagt Kaldemorgen. "Wir brauchen ihn für die Eigenkapitalbeschaffung." Mittlerweile habe sich die Spreu vom Weizen getrennt, so dass keine weiteren Verkaufswellen zu erwarten seien. Im abgelaufenen Jahr hat es allerdings auch die DWS-Aktienfonds schwer gebeutelt: Die Werteinbußen bewegen sich zwischen 30 und zum Teil sogar 84 Prozent. Allerdings liegen die Fonds mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre immer noch deutlich im Plus. Manche haben ihren Wert seit 1996 sogar mehr als verdoppelt.

Insgesamt hat sich das Volumen der Aktienfonds bei der DWS von Ende 2000 bis Ende September 2001 von 48,4 auf nur noch 29,2 Milliarden Euro rasant vermindert, während Renten- und Geldmarktfonds zulegen konnten. Das Vermögen aller DWS-Fonds reduzierte sich in den vergangenen neun Monaten von 87,8 auf 81,8 Milliarden Euro.

Bei der Anlage neuer Mittel haben sich die Anleger von Aktienfonds abgewandt. Wurden von Januar bis September 2000 noch netto 7,8 Milliarden Euro in Aktienfonds gesteckt, so waren es in den vergangenen neun Monaten nur 400 Millionen Euro. Insgesamt verbuchte die DWS in diesem Zeitraum neue Anlagegelder in Höhe von sieben Milliarden Euro nach 10,2 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Immerhin aber konnte die DWS ihre führende Marktposition bezogen auf das Fondsvolumen vor der Deka wieder ausbauen, von 21,9 Prozent auf 23,8 Prozent. Die Deka schrumpfte von 20,2 auf 19 Prozent.

Allerdings muss auch die DWS beim Management ihrer 250 Fonds auf die Kostenbremse treten. Die Einnahmen aus Verwaltungsgebühren sind in diesem Jahr um 20 Prozent geschrumpft. Die Expansionspläne hat Geschäftsführer Udo Behrenwaldt deshalb korrigiert. Es bleibt vorerst bei etwa 100 Fondsmanagern und insgesamt rund 650 Mitarbeitern in Frankfurt und Luxemburg. Trotzdem freilich schreibt die DWS noch dicke schwarze Zahlen. Details nennt Behrenwaldt allerdings nicht.

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