Wirtschaft : Zurückhaltung bei Investitionen: Mittelstand hat Schwierigkeiten bei Krediten

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Die Klagen aus der mittelständischen Wirtschaft über die Schwierigkeiten, Bankkredite zu erhalten, werden lauter. Am Mittwoch trat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Berlin vor die Presse. Laut Vizepräsident Diether Klingelnberg gefährden der Rückzug der Großbanken aus dem Firmenkreditgeschäft und starke Veränderungen an den Finanz- und Kapitalmärkten zunehmend die Entwicklungsmöglichkeiten der Mitgliedsunternehmen des VDMA. Auch ein Ausweichen auf örtliche Genossenschaftbanken und Sparkassen sei für viele Betriebe nicht möglich, da diese häufig zu klein seien und nicht die Produktpalette mit überwiegender Exportfinanzierung anböten.

Weitere Schwierigkeiten drohten, wenn die Banken die Empfehlungen des Basler Komitees umsetzen, so Klingelnberg. Danach müssen die Banken und Sparkassen die Bonität ihrer Kredite bewerten, und je höher das Risiko eines Kreditausfalls ist, desto mehr Eigenkapital dafür bereithalten. Es drohten höhere Konditionen, wenn die Banken vor allem bei Investitionskrediten künftig die Risiken mit schematisierten Rating-Instrumenten beurteilen sollten, sagte Klingelnberg. Er befürchtet einen "Herdentrieb" bei den Instituten. Die Banken würden den Maschinenbau möglicherweise zu sehr über einen Kamm scheren.

Schon heute, so der Vizepräsident, hätten sich die Konditionen verschlechtert, und man gewinne den Eindruck, dass die Kreditinstitute Basel dazu nutzen wollten, ihre Margen zu verbessern.

Auch beim Zentralverband Elektrotechnik und Elektroindustrie (ZVEI) macht man sich Sorgen. Weit über 50 Prozent der rund 1400 Mitgliedsfirmen seien Mittelständler, und für die werde die Kreditvergabe durch die Banken zunehmen zum Problem, so ein Sprecher. Beim ZVEI bietet sich das gleiche Bild: Im Durchschnitt der Branche beträgt der Exportanteil rund 70 Prozent, die betroffenen Unternehmen brauchen vor allem Exportfinanzierungen und Service bei den Devisentransaktionen.

Gestützt werden die Aussagen der beiden Verbände durch die Zahlen einer Umfrage des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Frühjahr 2000. Von den 502 befragten deutschen Mittelständlern gaben 55 Prozent an, dass ihre Bank oder Sparkasse nach den Schwierigkeiten des Holzmann-Konzerns nun auch ihre Kreditanträge genauer und zurückhaltender prüfe. Fast 45 Prozent beklagten, dass die Beschaffung von Krediten nun schwieriger geworden sei.

VDMA und ZVEI versuchen, ihren Mitgliedern mit Seminaren und Veranstaltungen unter die Arme zu greifen. Das jüngste Seminar mit dem Titel "Innovative Finanzierungsformen für den Mittelstand" sei trotz der 340 Mark Gebühren sehr gut besucht gewesen, weiß man beim ZVEI. VDMA-Vizepräsident Klingelnberg kündigte am Mittwoch eine Informationskampagne und Gespräche mit den Banken an. Informieren will der VDMA auch über andere Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung. Doch seien die Möglichkeiten der meisten Mitgliedsunternehmen hier gering. Nur etwa 150 der rund 3000 Verbandsunternehmen kämen für einen Börsengang überhaupt in Frage. Von den derzeit rund 30 notierten, dächten einige bereits über einen Rückzug vom Parkett nach. Prominentestes Beispiel ist Grohe. Für die Finanzierung über Unternehmensanleihen seien viele Unternehmen zu klein, so Klingelnberg.

Positiv äußerte sich der Vizepräsident jedoch über die wirtschaftliche Lage des Maschinenbaus. Die Branche erwartet mittelfristig eine weitere Zunahme der Aufträge. In den ersten acht Monaten 2000 stieg der Auftragseingang um 19 Prozent (davon aus dem Ausland 27 Prozent). Der Umsatz der knapp 6000 Firmen (auch Nicht-Mitglieder) kletterte in den ersten sieben Monaten um real 7,5 Prozent auf 156 Milliarden Mark.

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