Zusammen sparen und mobil sein : Carsharing im Trend: Die Vorteile des Gemeinschaftsautos

Wer nur selten einen Wagen braucht, kann sich mit anderen einen Pkw teilen. Das ist billiger und schon die Umwelt. Sechs Carsharing-Anbieter gibt es in Berlin - und es werden mehr. Wissenswertes über das Prinzip Gemeinschaftsauto.

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Carsharing wörtlich genommen: 1959 wollten Studenten der kanadischen Universität Manitoba herausfinden, wie viele Menschen in einen VW-Käfer passen. 33 Wissenschaftler versuchten, sich hineinzuquetschen, aber einige mussten draußen bleiben.
Carsharing wörtlich genommen: 1959 wollten Studenten der kanadischen Universität Manitoba herausfinden, wie viele Menschen in...Foto: picture-alliance / dpa

Ein Auto kaufen ist teuer. Ein Auto besitzen auch. Nach Berechnungen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) verursacht ein kompakter Mittelklassewagen wie ein „VW Golf“ monatliche Kosten von 450 Euro. Selbst dann, wenn er nur vergleichsweise geringe 6000 Kilometer im Jahr gefahren wird. Aber auch wer einen alten Gebrauchten sein Eigen nennt, kommt immer noch auf insgesamt 250 Euro im Monat. Das ist viel Geld, vor allem dann, wenn man im Alltag gewöhnlich mit Fahrrad, Bus oder Bahn unterwegs ist und einen Wagen nur braucht, um am Wochenende mal aufs Land oder zum Großeinkauf in den Supermarkt zu fahren. Wer sparen, aber nicht völlig auf ein Auto verzichten will, für den könnte Carsharing interessant sein.

DAS MODELL

Carsharing bedeutet wörtlich übersetzt „Auto teilen“. Das Modell gibt es in Deutschland seit Ende der 80er Jahre und es funktioniert ähnlich wie eine Mitgliedschaft in einer Bibliothek. Für eine monatliche oder jährlich Grundgebühr erwirbt man das Recht, ein Auto auszuleihen. Wie bei der Bücherei die Bücher, muss man die Fahrzeuge an einer zentralen Stelle abholen und wieder abgeben. Anders als bei Mietwagen, die in der Regel tage- oder wochenweise gemietet werden und die auch in anderen Städten zurückgegeben werden können, fallen beim Carsharing zusätzliche Kosten für jeden gefahrenen Kilometer und jede genutzte Stunde an. Benzin hingegen ist gewöhnlich im Mietpreis enthalten – bei vielen Anbietern liegt im Handschuhfach eine Tankkarte. Nach Angaben des Bundesverbands Carsharing (BCS) gibt es derzeit in Deutschland verteilt auf 295 Städte und Kommunen etwa 4600 Autos an 2200 Stationen. Rund 158 000 Deutsche nutzen das Angebot. Der Markt hat aber noch deutlich Potenzial. Der VCD schätzt, dass das geteilte Auto für bis zu 2,5 Millionen Menschen interessant sein dürfte.

Sich einen Wagen zu teilen, kann viel Freude bereiten.
Sich einen Wagen zu teilen, kann viel Freude bereiten.Foto: dpa

DIE VORTEILE

Carsharing lohnt sich, wenn man sein Auto selten braucht. „Wer im Jahr weniger als 5000 Kilometer fährt, kommt beim Carsharing definitiv günstiger weg als mit einem eigenen Auto“, sagt eine Sprecherin des Öko-Instituts Berlin. Bis zu 10 000 Kilometern sei es wahrscheinlich, aber auch bei 10 000 bis 12 000 Kilometern im Jahr kann Carsharing günstiger sein. Das hängt von den örtlichen Tarifen und dem Nutzungsprofil ab. Ideal ist Carsharing also für Gelegenheitsfahrer, die dreimal im Jahr zum Möbelhaus, und fünfmal zum Badesee fahren wollen, für Vielfahrer wie Berufspendler eher nicht.

DIE KOSTEN

Da die Tarifmodelle der Anbieter zum Teil stark voneinander abweichen und viele mehr als einen Tarif anbieten, können je nach Strecke und Mietdauer sehr unterschiedliche Kosten entstehen. Zwei Modellrechnungen des VCD: Eine etwa acht Kilometer lange Fahrt mit einem Mini, die nicht länger als eine Stunde dauert, kostet im Durchschnitt etwa drei bis sechs Euro. Ein Ausflug mit der Familie im Kombi, der sechs Stunden dauert und bei dem 100 Kilometer verfahren werden, schlägt mit 35 bis 68 Euro zu Buche – inklusive Benzin wohlgemerkt. Die Preisspanne zeigt: Wer sich fürs Carsharing interessiert, muss die Angebote seiner lokalen Anbieter vergleichen (siehe Kasten) und auch ins Kleingedruckte schauen, wo zusätzliche Kosten für verspätete Rückgaben oder eine reduzierte Selbstbeteiligung der Vollkasko-Versicherung aufgeführt werden.

Carsharing in Deutschland
Carsharing in DeutschlandGrafik: Schill

DIE PRAXIS

Reservieren kann man per Telefon oder Internet. Das Fahrzeug oder der Tresor, in dem der Schlüssel liegt, lassen sich dann in der Regel mit einer Chipkarte öffnen. Doch bekomme ich auch immer ein Auto, wenn ich eins brauche? „Eine hundertprozentige Garantie gibt es natürlich nicht“, gibt der BCS zu. Im Schnitt könnten aber neun von zehn Anfragen erfüllt werden. Trotzdem kann es besonders an sonnigen Wochenenden und vor Feiertagen schnell mal eng werden. Dann bleibt nur die Möglichkeit, auf einen anderen Fahrzeugtyp oder eine andere Abholstation auszuweichen. Das scheint zu funktionieren. Die Stiftung Warentest zog vor einiger Zeit in einem Test das Fazit: „Fast immer bekamen unsere Tester ihr Wunschauto zum Wunschtermin – vor allem bei stundenweiser Anmietung“. Auch die Verbraucherzentralen wissen nichts von einer „nennenswerten Anzahl an Klagen“.

DIE UMWELT

Carsharing hilft der Umwelt, sagt das Öko-Institut. Zum einen ersetze ein geteiltes Auto mehrere Pkws, was zu weniger Staus, Schrott und Energiebedarf führe. Außerdem fahre man in der Regel nie mit einem zu großen Wagen. Laut einer Schweizer Studie erzeugt ein regelmäßiger Carsharing-Nutzer 290 Kilogramm CO2 im Jahr weniger als ein Pkw-Besitzer.

DIE ALTERNATIVEN

Carsharing ist nicht die einzige Möglichkeit, ohne eigenes Auto mobil zu sein. Wer längere Strecken vor sich hat, sollte durchrechnen, ob er nicht mit einem Mietwagen ohne Kilometer- und Zeitbeschränkung billiger fährt. Diese Möglichkeit ist häufig auch bei Wochenendausflügen, bei denen der Wagen dann zwei Tage ungenutzt vor dem Ferienhaus steht, die günstigere.

Und wer wirklich nur dreimal im Jahr ein Auto braucht, um die Einkäufe vom Möbelhaus in die Wohnung zu bekommen, kann sich auch überlegen, ob er einfach mit der U-Bahn hinfährt und sich für die vollbepackte Rückfahrt ein Taxi nimmt.

WIE FINDE ICH EINEN ANBIETER IN MEINER NÄHE?

Der Bundesverband der Carsharingunternehmen bietet auf seiner Internetseite www.carsharing.de einen Überblick über die Angebote seiner Mitglieder. Wer auf der Seite seine Postleitzahl eingibt, bekommt eine Auflistung aller in seiner Stadt oder Region operierenden Unternehmen, wenn sie im Bundesverband organisiert sind. Für den Anbieter Greenwheels trifft das beispielsweise nicht zu.

CARSHARING IN BERLIN

In Berlin gibt es zurzeit sechs Anbieter: Cambio (www.cambio-carsharing.de), Deutsche Bahn (www.db-carsharing.de), Greenwheels (www.greenwheels.de), Stadtmobil (www.stadtmobil.de), Sixti (www.sixti.de) und Hertz (www.connectbyhertz.de).

Wer Carsharing erst einmal ausprobieren möchte, für den gibt es bei vielen Anbietern Kennenlernangebote. Um Mitglied zu werden, verlangen die Unternehmen gewöhnlich eine Fahrpraxis von zwei Jahren und eine erfolgreiche Bonitätsprüfung. Kostenlose Beratung zum Thema Carsharing bietet der Verkehrsclub Deutschland jeweils montags, mittwochs und freutags von 9 bis 15 Uhr, sowie dienstags und donnerstags zwischen 13 und 18 Uhr unter der Telefonnummer 0800/ 20 30 900 oder im Internet unter www.verbraucherfuersklima.de.

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