Wirtschaft : Zusammenarbeit Ja, Fusion Nein - das Teure sind die Filialen (Kommentar)

Daniel Rhee-Piening

Ob der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Bernhard Walter, sein Institut der Deutschen Bank andienen wollte, darf bezweifelt werden. Seine Überlegungen über eine Zusammenlegung des Filialgeschäfts mit anderen Banken wurden aber prompt so interpretiert. Walter hat ein Thema angesprochen, das allen Instituten am Herzen liegt und derzeit am Bankenplatz Frankfurt heiß diskutiert wird. Die Frage lautet: "Wie schaffe ich es, dass das Geschäft mit der großen Masse der Privatkunden einen positiven Ergebnisbeitrag bringt?" In den Vorstandsetagen der Privatbanken hat man erkannt, dass hier einer der Schwachpunkte der deutschen Universalbanken ist. Nur wenn eine Lösung für die teuren Filialen gefunden wird, können die deutschen Institute bei den Erträgen international aufschließen. Und das müssen sie, wenn sie die Gunst ihrer Aktionäre nicht verlieren wollen. Und: Eine Kooperation im sogenannten Retail Banking würde nicht zwangsläufig die Fusion der beiden größten deutschen Banken bedeuten.

Auch der Versuch der Deutschen Bank, mit der eigenen Direktbank Bank 24 die Kosten zu drücken, ist nur ein Experiment. Klar aber ist: Eine Fusion unter den deutschen Banken würde erst einmal eine Kostenexplosion verursachen, bevor die Unternehmen wirklich sparen könnten. Die Auflösung der Filialen würde teuer. Zudem sind Deutsche und Dresdner Bank entschlossen dabei, im Investment Banking und im Internationalen Geschäft eigene Positionen zu entwickeln. Bei der Deutschen Bank geschieht dies beispielsweise mit der Übernahme von Bankers Trust zielstrebiger als bei der Dresdner, der man Interessen in Asien nachsagt. Eine Fusion würde in dieser Situation die Organisationskapazitäten der beiden Institute schlicht überfordern.

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