Wirtschaft : Zusammenarbeit mit Russland: Siemens will das Eisenbahnnetz modernisieren

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Siemens und Russland planen eine umfangreiche Zusammenarbeit bei der Modernisierung des russischen Bahnnetzes. Der russische Verkehrsminister Nikolai Aksonenko und der Siemens-Zentralvorstand unterzeichneten am Dienstag ein Abkommen, das die Lieferung von Zugleitsystemen, den Bau von Lokomotiven und Triebwagen sowie die Modernisierung des Kommunikationsnetzes im russischen Eisenbahn-Ministerium vorsieht. Dem Abkommen sollen konkrete Aufträge im Wert von "mehreren hundert Millionen Dollar" folgen, sagte Bernd Edelmann, Sprecher der Siemens-Verkehrstechnik auf Anfrage.

Die russischen Bahnen seien die größte Eisenbahngesellschaft der Welt, begründet Thomas Ganswandt die Siemens-Bestrebungen, in Russland Fuß zu fassen. Ganswandt ist in der Siemens-Verkehrstechnik zuständig für Osteuropa. Das Verkehrsministerium, das den Staatsbetrieb leitet, suche neue Partner, weil nach 1989 Zulieferer aus dem Land und den ehemaligen Comecon-Staaten ausgefallen seien. In den letzte Jahren habe Siemens Energieaggregate für russische Reisezugwagen geliefert und in der Region um Moskau Oberleitungen verlegt. Nun will der Konzern großflächig computergestützte Signaltechnik bei den russischen Bahnen installieren. Ein Pilotprojekt, der Bau eines Stellwerks auf der Strecke Moskau-St. Petersburg, werde im nächsten Jahr starten. "Die alte russische Relaistechnik ist auf dem Stand der 80-er Jahre", sagte Ganswandt, jedoch sei die russische Bahn "hoch zuverlässig". In Sibirien fahre sie bei sechzig Grad unter Null. "Wir werden mit russischen Ingenieuren zusammenarbeiten, um unsere Technik kältefest zu machen."

Der Siemens-Konzern werde sich ingsgesamt mehr in Russland engagieren, sagte Peter Gottal, der Sprecher des Siemens-Konzerns. Im letzten Geschäftsjahr sei der Umsatz um ein Drittel auf 421 Millionen Euro gestiegen, für dieses Jahr werde ein ähnlicher Anstieg erwartet. Siemens beschäftigt 700 Mitarbeiter in Russland. "Dieses Land ist ein Reform-Nachzügler und die innere Sicherheit ist manchml noch problematisch", räumt Gottal ein, vertraut jedoch auf die positive Entwicklung bei Industrieproduktion, Investitions- und Konsumverhalten im Land. Präsident Wladimir Putin hätte vor allem mit verstärkter Privatisierung die Voraussetzungen für ein gutes Investitionsklima geschaffen. Der Siemens-Konzern hat in den letzten Jahren Produkte aus der Telekommunikation und der Kraftwerkstechnik nach Russland geliefert, zum Beispiel digitale Telefonvermittlungs-Anlagen. Außerdem projektierte der Konzern ein Kaltwalzwerk.

Am Dienstag hatte die Berliner Zeitung berichtet, Russland plane eine neue Interkontinental-Bahn, die Europa mit dem Fernen Osten verbinden solle. Die "Verbindung wird schneller und sicherer als der Seeweg sein, denn wir haben keine Taifune und keine Piraterie", sagte Verkehrsminister Aksonenko der Zeitung zufolge. In fünf Jahren sollen demnach Express- und Containerzüge von Amsterdam über Berlin durch zwei Seetunnel nach Tokio fahren. Noch in diesem Jahr solle der erste Spatenstich für einen Tunnel zur Insel Sachalin erfolgen.

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