Wirtschaft : Zusammenbruch der Fluggesellschaft LTU abgewendet

Jürgen Zurheide

Nach vier Stunden war es soweit. Wolfgang Clement verkündete das Ergebnis. "Ich gehe davon aus, dass die LTU jetzt eine gute Überlebenschance hat", sagte der Düsseldorfer Ministerpräsident nachdem sich die unterschiedlichen Partner auf ein Sanierungskonzept bei dem Düsseldorfer Ferienflieger geeinigt hatten. Den entscheidenden Beitrag haben neben der Rewe-Gruppe, die 80 Millionen Mark bereitstellt, die Westdeutsche Landesbank (WestLB) und die Stadtsparkassse Düsseldorf geleistet, die zusammen die Liquidität des Unternehmens in den kommenden Monaten sicherstellen. In dieser Zeit wird die Sparkasse in Düsseldorf treuhänderisch die Swissair Anteile von 49,9 Prozent an der LTU so lange übernehmen, bis ein neuer strategischer Investor gefunden ist.

Clement hatte, wie schon am Wochenende zuvor, alle Beteiligten zu sich in Staatskanzlei einbestellt und von Anbeginn klargestellt, dass er eine Lösung erwarte. Bei dem ersten Treffen vor einer Woche waren Arbeitsaufträge verteilt worden, die inzwischen weitgehend abgearbeitet worden sind. Einen entscheidenden Sanierungsbeitrag hatte die Piloten in der Zwischenzeit geleistet. Sie verzichteten als letzte Gruppe unter den 2300 LTU-Beschäftigten auf 60 Millionen Mark an Gehältern und sorgten auf diese Weise dafür, dass sich die Kostenstrukturen der LTU endlich den Kennziffern der anderen Airlines annähern. Ohne diese Voraussetzung, dass hatten auch die beteiligten Landespolitiker den Vertretern der Piloten klargemacht, bestand keine Chance auf Rettung der LTU.

Neben den Piloten wurde auch Rewe-Chef Hans Reischl stark unter Druck gesetzt. Er hatte seinen Anteil an der LTU eher widerwillig übernommen, weil er im Kern nur an der Touristiktochter interessiert war. Als Landeswirtschaftsminister Ernst Schwanhold im aktuellen Konflikt frühzeitig davon gesprochen hat, dass das Land eine Bürgschaft in einer Größenordnung von 300 Millionen zu übernehmen bereit war, sperrte Reischl alle Türen zu, als man bei ihm wegen eines Sanierungsbeitrages anklopfte. Er verwies stoisch darauf, dass der Großaktionär Swissair sich bei seinem Einstieg in Düsseldorf schriftlich verpflichtet hatte, alle anfallenden Verluste bei 2004 auszugleichen. Diese Linie, das hat man Reischl im Laufe der Woche bedeutet, konnte der Rewe-Chef nicht durchhalten. Gezielt wurden Einzelheiten aus seinem Deal mit der LTU gestreut.

So erfuhr die interessierte Öffentlichkeit, dass Rewe im Zusammenhang mit dem Kauf der LTU-Anteile Verlustvorträge von 400 Millionen erhalten hatte, die hinfällig würden, wenn der Ferienflieger nicht ebenfalls bis 2004 überlebt. Nach diesen Hinweise schwenkte Reischl ein, er bot bei Wolfgang Clement nun einen Sanierungsbeitrag von 80 Millionen Mark, mit dem die Liquidität der Gesellschaft sichergestellt werden soll.

Nach diesen Schritt bewegte sich auch der ehemalige Anteilseigner, die WestLB. Sowohl die Landesbank wie die Düsseldorfer Sparkasse sagten zu, die LTU mit ausreichenden Barmitteln zu versorgen, was angesichts eines zu erwartenden Jahresverlustes im laufenden Jahr von mehr als 300 Millionen Mark auf einen Kredit von mehr als 200 Millionen Mark hinausläuft. Diesen Kredit, das hat Wolfgang Clement versprochen, will das Land über eine Bürgschaft absichern. Entsprechende Gespräche über eine Krisenbürgschaft habe man in Brüssel mit der zuständigen Kommission schon geführt. Gleichzeitig übernimmt die Stadtsparkasse Düsseldorf treuhänderisch die 49,9 Prozent an der LTU von der Swissair, sie sollen möglichst schnell an einen strategischen Investor weitergegeben werden.

In den vergangenen Tagen hatten verschiedenen Mitglieder der Landesregierung immer wieder Gespräche mit unterschiedlichen Interessenten geführt, neben der irischen Ryan Air war auch die Lufthansa und deren Tochter Condor mit Landespolitikern zusammengetroffen. Selbst finanzkräftige Investoren aus dem Nahen Osten hatte man für die Düsseldorfer Fluggesellschaft zu begeistern versucht. Bis zum Wochenende waren all diese Gespräche aber ohne Ergebnis geblieben.

Da inzwischen ein neuer Businessplan der Beratungsgesellschaft C & L vorliegt, der unter den neuen Rahmenbedingungen bis 2004 die Chance auf schwarze Zahlen verheißt, hofft man nun mit den entsprechenden Investoren schneller zum Zuge zu kommen.

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