Wirtschaft : Zusammenschluss: Japanischer Mobilfunk-Konzern und AOL schließen Allianz

Der weltgrößte Internet-Provider AOL schließt sich in Japan mit dem Mobilfunkanbieter NTT Docomo zusammen. Die Vereinbarung mit einem Volumen von 100 Millionen Dollar soll die Marktpräsenz des US-Konzerns in Japan stärken, wo der Internet-Zugang mit dem Handy bereits weit verbreitet ist, während die Online-Verbindung am PC wenig beliebt ist. Mit dem am Mittwoch bekannt gegebenen Abkommen erhält NTT Docomo einen Anteil von 42,3 Prozent an AOL Japan und wird damit größter Einzelaktionär des Unternehmens, das bisher schon zu 40 Prozent dem japanischen Handelshaus Mitsui gehört. AOL erhält den Zugang zur drahtlosen Übertragungstechnik von NTT Docomo und zudem zwölf Millionen Kunden von dessen i-mode-Dienst für die mobile Internet-Nutzung. AOL hat in Japan bisher erst 450 000 Kunden. In Japan hat sich das sogenannte i-mode-System für den Internetanschluss via Handy durchgesetzt; das System wird dort inzwischen von rund zwölf Millionen Kunden genutzt. NTT Docomo rechnet bis Ende März 2001 mit mehr als 17 Millionen i-mode-Kunden.

Marktkenner betonten, NTT Docomo werde über die Allianz mit AOL erstmals wesentlichen Zugriff auf englischsprachige Inhalte und damit eine bessere Ausgangsbasis für seine internationale Expansion erhalten. "Docomo verfügt bislang über keinen englischen Content, der für Überseemärkte geeignet wäre", sagt Société Générale-Analyst Koike Takayoshi. AOL als derzeit größter Internet-Anbieter der Welt könnte die Mobil-Allianz angesichts zunehmender Konkurrenz auf dem US-Markt vor einer Wachstumskrise bewahren. In den USA steht AOL in einem Kampf um seine Kunden, sagte JP-Morgan-Experte Keiichi Yoneshima. Mit der Expansion in den Boom-Sektor Mobilfunk könne das Unternehmen einen Einbruch bei den Kundenzahlen auffangen. Kirk Boodry, Analyst bei Dresdner Kleinword Benson wertete die Beteiligung als strategisch wichtigen Schritt von NTT Docomo, um im US-Markt Fuß zu fassen. Als erster Schritt soll der E-Mail-Service von AOL in das i-mode-System eingespeist werden, um den Mobilfunkkunden von NTT Docomo den Online-Abruf elektronischer Post zu ermöglichen. NTT-Docomo-Chef Keiji Tachikawa lobte das sehr große Potenzial der strategischen Allianz. Die neuen Dienste würden zunächst auf dem japanischen Markt getestet und dann in aller Welt vermarktet.

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