Zuschlag für Berggruen : Karstadt bleibt im Geschäft

Nicolas Berggruen heißt der neue Eigentümer der Karstadt-Warenhäuser. Nach langen Verhandlungen einigten sich die Gläubiger auf den Privatinvestor. Berggruen kündigte an, "Karstadt wieder auf Kurs" zu bringen.

David C. Lerch
Gewinner. Neun von elf Gläubigern stimmten für Nicolas Berggruen.
Gewinner. Neun von elf Gläubigern stimmten für Nicolas Berggruen.Foto: ddp

Düsseldorf - Der 48-jährige Milliardär Nicolas Berggruen soll das traditionsreiche Unternehmen mit derzeit 120 Filialen und rund 25 000 Mitarbeitern aus der Insolvenz führen. Darauf verständigten sich die Gläubiger von Karstadt am Montagabend – nach fast achtstündigen Verhandlungen. Mit dieser Entscheidung gehen das Vermieterkonsortium Highstreet und der Finanzinvestor Triton leer aus. Auch Wettbewerber Metro, der nur an einzelnen Karstadt-Häusern Interesse gezeigt hatte, muss damit seine Pläne für eine Warenhausallianz aus Karstadt und Kaufhof begraben.

Karstadts Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg bestätigte am Abend die Entscheidung. Bis Mittwoch soll nun der Kaufvertrag unterzeichnet werden, genau ein Jahr, nachdem Karstadt mit dem alten Eigentümer Arcandor Insolvenz anmelden musste. Im Spätsommer soll der Kaufvertrag nach Aussage von Görg in Kraft treten. Damit scheint der Karstadt-Konzern als Ganzes gerettet. Ein Vorhaben, mit dem Görg beim Schwesterunternehmen Quelle gescheitert war und für das er auch bei Karstadt häufig kritisiert wurde. „Wir hatten von Anfang an die Zielsetzung, Karstadt als eines der ganz großen deutschen Unternehmen zu erhalten“, sagte der Insolvenzverwalter.

Berggruen sagte, er wolle „Karstadt wieder auf Kurs“ bringen. Der 48-Jährige hatte zuvor angekündigt, im Gegensatz zu Highstreet und Triton bei der Sanierung von Karstadt auf weitere Einschnitte beim Personal verzichten zu wollen. Er werde Karstadt erneuern und interessanter machen, sagte er.

Dabei muss sich der neue Karstadt-Investor jedoch zunächst mit den Vermietern und damit der ihm unterlegenen Konkurrenz über die von ihm geforderten Mietsenkungen einigen. „Wir bleiben unverändert bei den Konditionen unseres Angebots“, erklärte dazu ein Sprecher von Highstreet am Montagabend. Darin soll die mehrheitlich zu Goldman Sachs gehörende Gesellschaft zusätzliche Mietsenkungen von 230 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre ins Spiel gebracht haben.

Bis zuletzt war das Ringen um Karstadt am Montag ein spannender Dreikampf. Wie erwartet hatten alle drei Bieter am Morgen ihre Angebote erneut nachgebessert und nicht nur das. Wie Verhandlungspartner berichteten, unterbrachen die Gläubiger im Laufe des Tages immer wieder ihre Verhandlungen im dritten Stock der Essener Karstadt-Zentrale, um die Vertreter der drei Lager im ersten Stock zu konsultieren.

Am Ende votierten die Gläubiger eindeutig für Berggruen. Neun der elf Gläubigergruppen stimmten für ihn. Lediglich Konkurrent Highstreet und offenbar Betriebsratschef Hellmut Patzelt enthielten sich. Als einer der Gewinner darf sich Verdi fühlen. Die Gewerkschaft hatte sich bereits am Vormittag für Berggruen ausgesprochen. Entsprechend fiel die Reaktion aus. „Wir sind zufrieden. Das ist eine vernünftige und vielversprechende Entscheidung“, sagte Verdi-Sprecherin Cornelia Haß am Abend. Patzelt sprach von einem „sehr anstrengenden Tag, der hoffentlich ein gutes Ergebnis für die Mitarbeiter gebracht habe“.

Ein gutes Ergebnis erzielte gestern die Aktie der ehemaligen Karstadt-Mutter Arcandor. Das beinahe wertlose Papier stieg um fast 30 Prozent – auf 32 Cent.

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