Wirtschaft : Zustimmung und Skepsis

Analysten veranschlagen Kosten für BMW auf vier Mrd.DM FRANKFURT/MAIN (ro).Analysten der Frankfurter Banken betrachten die Übernahme von Rolls-Royce durch BMW mit gemischten Gefühlen.Die Palette der Einschätzung reicht von Zustimmung bis zu breiter Skepsis."Unter dem Strich ist das positiv", sagt Alice Kytka von der DG Bank."Wir betrachten dies mit großer Zurückhaltung", betont Klaus Jürgen Melzner von der Deutschen Bank.Er verweist vor allem auf die hohen Kosten, die durch die Übernahme und die Integration entstehen.Nach Melzners Angaben muß BMW insgesamt vier Mrd.DM aufwenden.Nicht nur er sieht deshalb VW trotz der Niederlage im Tauziehen um die Luxusmarke nicht unbedingt im Nachteil."Die Wolfsburger müssen das Geld nicht in die Hand nehmen.Die Entwicklung einer eigenen Luxusmarke ist billiger." An der Börse sah man dies offenbar ähnlich.Während der Kurs der BMW-Aktie um 1,5 Prozent zulegte, kletterte das Papier der Wolfsburger mit einem Plus von vier Prozent deutlich stärker.Befürworter der Transaktion betonen vor allem den Imagegewinn für BMW."Damit macht BMW einen weiten Sprung vor Mercedes und Audi", glaubt Analystin Kytka.Die Münchener seien für Rolls-Royce eindeutig der bessere Partner als VW.Nicht nur, weil rund 1400 Zwölf-Zylinder-Motoren für den unlängst vorgestellten neuen Rolls-Royce Silver Seraph aus München kommen. Geld für die Übernahme hat BMW nach Einschätzung von Beobachtern genug, nicht nur wegen der für Juni geplanten Kapitalerhöhung im Volumen von rund zwei Mrd.DM.Trotzdem räumt Alice Kytka ein, daß es um viel Geld geht und es erst in ein paar Jahren positive Auswirkungen auf den Ertrag der Münchener gebe.Aber viel werde es auch dann nicht, "ein paar Mark vielleicht", meint die Analystin.Andere Beobachter betonen ebenfalls den Prestigegewinn, verweisen aber gleichzeitig darauf, daß die Münchener Autobauer große Anstrengungen unternehmen müssen, damit auch die Kernmarke BMW von der Übernahme profitieren kann.VW sehen diese Analysten im Nachteil.Grund: Die geplante Entwicklung von Luxusautos der Marke Horch werde sehr teuer und sehr schwierig. Gerade das glaubt Melzner von der Deutschen Bank nicht."Das ist billiger als die Übernahme und Integration von Rolls-Royce." BMW müsse eine Mrd.DM für die Übernahme und drei Mrd.DM für die geplante Entwicklung von zwei neuen Rolls-Royce-Modellen aufbringen.Zudem komme BMW jetzt in ein sehr enges Marktsegment.Rolls-Royce, Maybach und Horch würden künftig um den Zuschlag von wenigen Interessenten ringen.Finanziell bringe BMW die Übernahme nichts."Die Verschuldung steigt, für die Aktionäre zahlt sich das Ganze nicht aus."

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