Wirtschaft : Zuviel Einzelhandelsfläche

Für Berlin Überhang von 447 000 Quadratmetern prognostiziert BERLIN (um).Die Schere zwischen Umsatz und Verkaufsfläche im Einzelhandel wird in Berlin und dem Umland in den kommenden Jahren wieder auseinanderklaffen - allerdings mit umgekehrten Vorzeichen als bislang.Es wird zuviel Einzelhandelsfläche geben.Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, der Forschungsstelle für den Handel Berlin (FfH) im Auftrag der Industrie- und Handelskammer, die der Autor Helmut Bunge gestern im Ludwig Erhard-Haus vorstellte.Da die Kaufkraft nicht in gleichem Maße steigt wie das Angebot an Verkaufsfläche erwartet Bunge, eine weitere Konzentration im Einzelhandel.Insbesondere mittelständische Geschäfte in Streulagen könnten damit vor dem Aus stehen. In Berlin und dem brandenburgischen Umland sei das Mißverhältnis von Verkaufsfläche und potentiellen Kunden noch lange nicht so schlimm, wie etwa in Leipzig oder Dresden, betonte Bunge.Regulierungen hätten hier gegriffen.Dennoch: Seinen Berechnungen zufolge kommen auf jeden Bewohner im Westteil Berlins im Jahr 2000 statischtisch 1,14 Quadratmeter Einkaufsfläche, im Ostteil sind es 1,24 Quadratmeter.Andere Großstädte wie etwa Hamburg oder München, mit wesentlich kaufkräftigerer Umlandbevölkerung liegen im Durchschnitt bei 1,5 Quadratmeter pro Einwohner.Bunge ist daher überzeugt, daß der Flächenzuwachs im Ostteil der Stadt "alle vernünftigen Entwicklungen sprengt".Zumal um die Kaufkraft der Berliner und Brandenburger auch die Einkaufszentren auf der Grünen Wiese werben.Hier wird sich das Verhältnis auf 1,63 Quadratmeter pro Einwohner erhöhen.Derzeit sind es 1,42 Quadratmeter. Seiner Untersuchung zugrundegelegt hat Bunger alle Neubauprojekte mit mehr als 500 Quadratmeter Verkaufsfläche, die im September 1997 entweder schon genehmigt waren oder kurz vor der Genehmigung standen.Das umstrittene Projekt an der Steglitzer Goerzalle ist also noch nicht einmal enthalten.Dennoch werde es in zwei Jahren rund 447 000 Quadratmeter Verkaufsfläche zuviel in Berlin geben wird. Thomas Hertz, Hauptgeschäftsführer der IHK, betonte, das Problem des immer weiter steigenden Flächenangebotes lasse sich nur in enger Zusammenarbeit zwischen Berlin und Brandenburg lösen.Der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes des Einzelhandels,Nils Busch-Petersen, forderte auf der anschließenden Podiumsdiskussion auch, die Ansiedelung neuer großer Einzelhändler solle sehr restriktiv behandelt werden, insbesondere wenn sie auf der Grünen Wiese bauen wollten.Julian Wékel von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung machte allerdings deutlich, zwar betrachte auch er viele Entwicklungen, als "bitter", die Einzelhändler könnten aber nicht beides fordern: mehr Marktfreiheit und gleichzeitig den Ausschluß ungeliebter Standorte oder Unternehmenstypen.

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