Zuwachs : Brandenburg holt auf

Die Zahlen klingen gut. Im Mai erzielte das Verarbeitende Gewerbe in Brandenburg zum dritten Mal in Folge zweistellige Zuwachsraten. Die Wirtschaft des Flächenlandes wächst in den ersten fünf Monaten weit stärker als in Berlin

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Berlin - Die Zahlen klingen gut. Im Mai erzielte das verarbeitende Gewerbe in Brandenburg zum dritten Mal in Folge zweistellige Zuwachsraten. Von Januar bis Mai legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 13,8 Prozent zu. Das berichtete das Statistische Landesamt am Freitag. In Berlin dagegen erlösten die Unternehmen in dem Zeitraum 0,1 Prozent weniger. Auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt fällt die Bilanz für Brandenburg besser aus: Während die Zahl der Beschäftigten in den ersten fünf Monaten im Vergleich zum Vorjahr in Berlin um 1,2 Prozent zurückging, sank sie in Brandenburg nur um ein Prozent. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) sehen darin allerdings kein Warnsignal für die Berliner Wirtschaft.

„Die Statistik wird verfälscht durch die beiden Krisenjahre“, sagt IHK-Sprecher Holger Lunau. So sei die gesamte Wirtschaftsleistung Berlins 2009 nur um 0,7 Prozent gesunken – damit war das Minus weit geringer als im Bundesdurchschnitt, der bei rund fünf Prozent lag. Brandenburgs Wirtschaft war von der Krise mit einem Minus von 2,1 Prozent dagegen stärker betroffen als die Hauptstadt. Da Brandenburg weiter abgesackt sei, komme das Land nun von einem anderen Niveau zurück, sagte Lunau. Er erwartet auch von den anderen Bundesländern mit großen Einbrüchen in der Krise nun größere Wachstumsraten.

Der drastische Strukturwandel, den Berlin in den vergangenen Jahren erlebt habe, habe der Wirtschaft in der Krise geholfen. „Wir haben einen gesunden Kern global wettbewerbsfähiger Unternehmen gebildet“, sagte Lunau. „Der ist stabil.“ Er sei aber andererseits auch nicht in der Lage, zweistelliges Wachstum hervorzubringen. „Unsere neue Stärke hat uns gerettet“, sagt Lunau. In der Berliner Industrie existiere eine Reihe von Firmen, die sich nicht so leicht aus der Bahn werfen ließen. Dabei verwies Lunau unter anderem auf die Pharma- und Chemieindustrie und Unternehmen wie Bayer Schering Pharma und Berlin-Chemie.

Bereits vor der Krise, etwa ab dem Jahr 2005, sei die Brandenburger Industrie schneller gewachsen als die Berliner, sagte Thorsten Elsholtz, Sprecher der UVB. Die Brandenburger Politik habe den Fokus früher als Berlin auf die Industriepolitik gelenkt und früher angefangen, das Potenzial zu entwickeln. „Brandenburg ist aus der Krise der bessere Start gelungen“, das zeigten die Zahlen seit Januar, sagte Elsholtz. Vom Niveau vor der Krise sei das Land wie andere auch allerdings noch weit entfernt. Die UVB begrüßen grundsätzlich, dass auch der Berliner Senat nun Förderung und Ansiedlung von Industrie im Fokus hat.

Auffällig ist, dass Brandenburg besonders bei den Auslandsumsätzen stark zulegen konnte. Im Mai stiegen sie im Vergleich zum Vorjahresmonat um 42,2 Prozent auf 517 Millionen Euro, in den ersten fünf Monaten insgesamt um 28,7 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die Schwankungen sind allerdings groß. Sobald einer der großen Hersteller im Speckgürtel von Berlin eine Reihe von Waggons oder ein Flugzeugtriebwerk verkauft, schnellt der Auslandsumsatz in die Höhe – um im kommenden Monat wieder einzubrechen.

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