Wirtschaft : Zuwanderer immer besser ausgebildet Fast jeder zweite hat hohen Berufsabschluss

Berlin - Einwanderer in die Bundesrepublik haben laut einer Studie inzwischen ein höheres Bildungs- und Qualifikationsniveau als die deutsche Bevölkerung. So haben heute 43 Prozent der Neuzuwanderer zwischen 15 und 65 Jahren einen Meister, Hochschul- oder Technikerabschluss. Das ist fast doppelt so viel wie im Jahr 2000 und sogar mehr als in der deutschen Bevölkerung, heißt es in einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Die Stiftung plädiert für noch mehr Zuwanderung Qualifizierter nach Deutschland. Nach der Analyse des Arbeitsmarktforschers Herbert Brücker ist das Qualifikationsniveau der Zuwanderer seit dem Jahr 2000 stetig gestiegen. Das in der Öffentlichkeit immer noch existierende Bild, es kämen nur Geringqualifizierte aus dem Ausland nach Deutschland, stimme nicht, sagte Brückner, der Forschungsbereichsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg ist.

Brückner sprach von einer „neuen Struktur der Zuwanderung“. Der Sozialstaat werde vom Zuzug Qualifizierter nicht belastet. Vielmehr profitierten die Sozialversicherungen davon. Diese „Wohlfahrtsgewinne“ würden umso größer ausfallen, je mehr qualifizierte Einwanderer nach Deutschland kämen. Der Forscher widersprach auch der These, mehr Zuwanderung drücke automatisch das Lohnniveau in Deutschland.

Bertelsmann-Stiftungsvorstand Jörg Dräger warb für eine strategische Neuausrichtung der Einwanderungspolitik. Die Bundesrepublik dürfe sich nicht darauf verlassen, dass der Zuzug aus den südeuropäischen Krisenländern anhalte. Deshalb müssten auch Nicht-EU-Staaten stärker in den Blick genommen werden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zogen 2012 über eine Million Menschen nach Deutschland, so viele wie zuletzt 1995.

Um dauerhaft mehr qualifizierte Fachkräfte ins Land zu locken, empfiehlt die Stiftung „ein Paket aus neuen Einwanderungsregeln, reformiertem Staatsbürgerschaftsrecht und besserer Willkommens- und Anerkennungskultur“. Dräger verwies darauf, dass vier von zehn Zuwanderern aus Nicht-EU-Staaten, die 2009 in die Bundesrepublik gekommen seien, das Land bereits wieder verlassen hätten.

Die Stiftung schlug eine „Schwarz- Rot-Gold-Karte“ für Hochqualifizierte und Fachkräfte in Mangelberufen vor, die nach einem Punktesystem vergeben werden sollte. Dabei müssten die Qualifikation des Einwanderers wie auch der Bedarf des deutschen Arbeitsmarkts berücksichtigt werden. Die Karte sollte eine unbeschränkte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung garantieren und eine zügige Einbürgerung in Aussicht stellen. dpa

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