Zuwanderung : Kaliméra Germanía, adios España

Die Schuldenmisere und die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt treibt immer mehr Spanier und Griechen aus ihren Heimatländern. Beliebtes Ziel: Deutschland. Auch in Berlin steigt die Zahl der Südeuropäer.

von
Die Zuwanderung nach Deutschland ist im ersten Halbjahr 2011 deutlich gestiegen - vor allem aus Spanien und Griechenland kommen viele Menschen.
Die Zuwanderung nach Deutschland ist im ersten Halbjahr 2011 deutlich gestiegen - vor allem aus Spanien und Griechenland kommen...Foto: dpa

Der Berliner hat es bereits geahnt. War da in letzter Zeit nicht viel häufiger südeuropäisches Sprachengemisch zu hören in den Cafés und auf den Straßen von Prenzlauer Berg, Kreuzberg oder Mitte? Ist doch so, dass gerade Spanier derzeit besonders gerne Wohnungen in der Hauptstadt kaufen? Für diese gefühlte Zuwanderung gibt es nun einen Beleg. Die Schuldenkrise in ihrer Heimat zwingt offenbar immer mehr Südeuropäer dazu, ihr Glück in Deutschland zu suchen, und viele zieht es dabei nach Berlin.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wanderten im ersten Halbjahr dieses Jahres 84 Prozent oder 4100 mehr Griechen in die Bundesrepublik ein als im gleichen Zeitraum 2010. Auffällig ist auch die Zuwanderung aus einem anderen überschuldeten Euro-Land: 49 Prozent oder 2400 mehr Spanier zog es nach Deutschland, wo die Welt aus mediterraner Sicht wirtschaftlich noch in Ordnung ist und junge Menschen nach der Uni auch mit einer Einstellung rechnen können.

Schaut man sich die Berliner Statistik an, zeigt sich, dass sich das Verhältnis zwischen Zu- und Wegzügen geändert hat: Zogen in den ersten sechs Monaten 2010 noch 288 Griechen in die Hauptstadt und kehrten ihr 486 den Rücken, so war es in diesem Jahr umgekehrt: 526 kamen, nur 206 gingen. Nicht anders bei den Spaniern: 1368 kamen im ersten Halbjahr dieses Jahres, nur 619 gingen. Ein Jahr zuvor war das noch ausgeglichen. Vielleicht sind sie ja nun tatsächlich gekommen, um zu bleiben.

Verwundern würde es nicht, vernachlässigt man das Wetter. Griechen und Spanier leiden unter der Krise, viele verlieren ihren Job. So hat der Schuldenkönig in der Euro-Zone gerade einen neuen Rekord gemeldet: 17,7 Prozent Arbeitslosigkeit in Griechenland. Auch mehr als fünf der 47 Millionen Spanier haben momentan keine Arbeit.

Besonders dramatisch ist die Lage der Jugendlichen: In Griechenland sind 35 Prozent der 15- bis 24-Jährigen arbeitslos, in Spanien ist es sogar fast jeder Zweite. Eine Einschränkung hat die Statistik allerdings: Nicht ablesen lässt sich aus ihr, ob die neuen Mitbewohner hierzulande auch erwerbstätig sind.

Autor

17 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben