Wirtschaft : Zwangspfand: Gute Dosen - Schlechte Dosen

Antje Sirleschtov

Na bitte: Die Deutschen Verbraucher verhalten sich allen Unkenrufen zum Trotz streng rational. Weil Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) demnächst ein Gesetz zur Einführung eines Pfandes auf Dosen und Einwegflaschen ab Januar 2002 erlassen will, sammelt Deutschland jetzt Blech. Ganze 50 Pfennige sollen die Getränkehändler von Neujahr an für jede Bier- oder Coladose herausrücken. Kein Wunder, dass schon jetzt Fahrräder und alte Kühlschränke aus den Kellern gezerrt und nächtens auf die Straße gerückt werden. Es muss Platz gemacht werden für die Weißblechschwemme. Wer jetzt Dosen sammelt, die noch kein Pfand kosten, dem winken in acht Monaten satte Renditen. Also: Zollstock raus und Kellerregale bemessen! Oder Laster mieten und billige Bierdosen aus Polen heranholen! Warum soll die Zwangspfand-Mafia, die sich nach Erkenntnissen einiger Handelsverbände bereits intensiv mit dem Blech-Thema befasst, alleine reich werden?

Wichtig: Eile ist geboten. Weder der Umweltminister noch die Getränkehändler werden es sich lange gefallen lassen, dass Pfiffige mit Dosen Pfand abzocken, für die sie selbiges nicht entrichtet haben. Schon sinnen Expertengruppen der Automatenindustrie, welche Signaturen die "guten" von den "schlechten" Dosen in Zukunft unterscheiden könnten. Welche zusätzlichen Kosten allein die Einführung dieser fälschungssicheren Signaturen bei allen Getränkeherstellern im In- und Ausland verursachen wird - niemand weiß das. Genau so wenig, wie die flächendeckende Organisation des Pfandsystems bisher auch nur ansatzweise geklärt ist. Es bleibt also noch Zeit, von Januar an die gefüllten Keller in Ruhe zu leeren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben