Wirtschaft : Zwei Bieter für die Bankgesellschaft

Neben dem Interessenten Flowers gibt überraschend auch die Investmentgesellschaft Lone Star ein Angebot ab

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Berlin (fmd/HB/Tsp). Die texanische Investmentgesellschaft Lone Star Fund hat überraschend doch ein Übernahmeangebot für die Bankgesellschaft Berlin abgegeben. LoneStar-Europa-Chef Roger Orf sagte am Donnerstag, das Unternehmen habe noch vor Ablauf der Abgabefrist am Donnerstag eine Offerte unterbreitet. Der Kaufpreis hänge von einer weiteren Unternehmensprüfung ab. Zuvor hatte das US-Bieterkonsortium BGB Capital Partners dem Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) am Donnerstag fristgerecht eine Offerte für die Bankgesellschaft übergeben.

Im Dezember hatte sich Lone Star aus dem Verfahren der Unternehmensprüfung (Due Diligence) der Bankgesellschaft zurückgezogen. Dies war allgemein als Rückzug aus dem kompletten Bieterverfahren um das angeschlagene Berliner Kreditinstitut gewertet worden. Das US-Konsortium BGB Capital Partners galt bis zuletzt als einzig verbliebener von ursprünglich vier Interessenten an der Bankgesellschaft.

Zu Details ihres Angebots mochten sich die BGB-Capital-Chefs, der Investmentbanker Christopher Flowers und der Chef der Risikokapitalgesellschaft Texas Pacific Group, David Bonderman, nicht äußern. Ein Sprecher sagte dem Tagesspiegel, das Angebot beziehe sich auf die Bank als Ganzes ohne die Immobilienfondsgesellschaften. Das Handelsblatt erfuhr aus Verhandlungskreisen, dass sich das Gebot seit dem Verhandlungsstart vor rund 18 Monaten in Höhe von schätzungsweise 1,75 Milliarden Euro kräftig reduziert hat. Die in dieser Zeit verbuchten Verluste der Bankgesellschaft und die erhebliche Verschlechterung des Bankenumfelds in Deutschland hätten ihre Spuren hinterlassen, hieß es. An der Börse wird das Institut, das zu gut 80 Prozent dem Land gehört, derzeit mit 1,6 Milliarden Euro bewertet. Weiter hieß es, dass kein weiterer Stellenabbau geplant sei. Nach dem Ende 2001 vorgelegten Sanierungskonzept, das mit Brüssel abgestimmt ist, sollen bis zum Jahr 2005 rund 4000 Arbeitsplätze von derzeit rund 15000 abgebaut werden.

Abgesehen von den Altkrediten bietet das Konsortium dem Land einen klaren Schnitt bei der Risikoübernahme. Auch schon in der Vergangenheit plädierten die Investoren beim bestehenden Kreditportfolio für eine Risikoteilung zwischen Erwerber und Land. Das bezieht sich auf die Kredite, die vor allem an die Immobilienbranche sowie kleine und mittlere Firmen ausgereicht wurden.

Angesichts der ungewissen wirtschaftlichen Entwicklung könne nicht gesagt werden, ob die gebildeten Rückstellungen ausreichend seien, hieß es zur Begründung. Derzeit steht einem Kreditvolumen von 109 Milliarden Euro ein Bestand an Kreditvorsorge von 5,4 Milliarden Euro gegenüber. Der Vorstandsvorsitzende der Bankgesellschaft, Hans-Jörg Vetter, sagte im November, im Portfolio der Bank würden noch Bestände im Umfang von fünf Milliarden Euro als problembehaftet gelten. Davon seien 2,5 Milliarden Euro durch Risikovorsorge abgesichert. Erst in drei Jahren würde die Bank über eine „normale" Risikostruktur verfügen.

Über die Risikoteilung bei Altkrediten hinaus gehe das Land keine weiteren Verpflichtungen ein, verlautete aus Verhandlungskreisen. Das gilt etwa für den Umgang mit den Euro-Stoxx-50 Fonds, für die die Bank bislang (30. 9. 2002) Wertberichtigungen in Höhe von 216 Millionen Euro vorgenommen hat. Diese reichen aber beim derzeitigen Kursniveau nicht aus.

Verhandlungskreise bestätigten, dass sich das Konsortium nach einer möglichen Übernahme am geltenden Sanierungskonzept orientieren will. Daran werde nicht gerüttelt. Mit Stand September wurden bislang 1675 Arbeitsplätze abgebaut. Angesichts der Renditevorstellungen der US-Investoren von 15 Prozent sind jedoch Arbeitnehmervertreter besorgt, ob diese letztlich nicht doch nur durch einen weiteren Arbeitsplatzabbau zu erzielen sind. Synergieeffekte werden auch bei der Zusammenführung von Landesbank, Berliner Bank und Sparkasse gesehen. Nach wie vor sind die Investoren stark an einer weiteren Nutzung des Logos „Sparkasse" interessiert, was allerdings auf den Widerstand des Sparkassenlagers trifft. Rückenwind erhofft man sich von der EU-Kommission. Diese prüft gerade, ob der Name Sparkasse in Deutschland geschützt und reserviert werden darf. In Österreich, Frankreich, Italien und England ist der Name Sparkasse für Private freigegeben.

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