Wirtschaft : Zwei Drittel des Mittelstands beurteilt Wahlergebnis negativ

BONN / BERLIN (aho/Tsp).Der deutsche Mittelstand beurteilt den Machtwechsel in Bonn überwiegend negativ.Das geht aus einer Blitzumfrage des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) zusammen mit der Industrie- und Handelskammer zu Münster (IHK) hervor, die am Donnerstag in Münster vorgestellt wurde.Danach schätzen zwei Drittel der befragten Unternehmen das Wahlergebnis als "schlechter als erwartet" ein.Ein gutes Viertel betrachtet es als mittelmäßig, aber nur sechs Prozent sehen es positiv.Für den IHK-Hauptgeschäftsführer Christian Brehmer ist die Umfrage ein klares Votum gegen das Reformmodell der künftigen Regierung, "denn bei den Steuern kommt es bestenfalls zu keiner zusätzlichen Belastung bei den Unternehmen".Trotz dieser Skepsis will der DIHT mit der Regierung zusammenarbeiten.Außerdem müßten die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen abgewartet werden.Es "wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wurde", sagte der DIHT-Präsident Hans-Peter Stihl.

Befragt worden sind 4000 Unternehmen, von denen ein gutes Viertel anwortete.Vier Fünftel der Firmen gehören zum Mittelstand, sie beschäftigen also weniger als 500 Arbeitnehmer.Aus dieser Sparten stammten auch die meisten negativen Antworten.Besser ist die Stimmung im Osten.Dort können knapp die Hälfte der Betriebe der Umfrage zufolge mit dem Bonner Ergebnis leben.Außerdem wollte der DIHT von den Unternehmen wissen, welche Aufgaben die neue Regierung besonders schnell anpacken soll.Ganz oben auf der Liste standen die Reformen des Steuersystem und des Arbeitsmarkts.Weitere wichtige Veränderungen fordern die Betriebe auf den Feldern: Renten, Sozialpolitik, Subventionen, Bildung, Tarifpolitik, Gesundheit, Ostförderung und Umwelt.

Die Spitzenverbände der ostdeutschen Wirtschaft riefen am Donnerstag die neue Bonner Regierungskoalition auf, "den Nachholbedarf der neuen Bundesländer beim Aufbau neuer Wirtschaftsstrukturen und bei der Verbesserung der Infrastruktur in ihrem Regierungsprogramm mit höchster Prioritätensetzung zu berücksichtigen".Die wichtigsten Infrastrukturprojekte für die Region Berlin-Brandenburg seien der Transrapid Hamburg-Berlin, der Großflughafen Berlin-Brandenburg International, der Ausbau der Wasserstraße Magdeburg-Berlin (Projekt 17), der Neubau der Ostsee-Autobahn A 20 für den Nordosten Brandenburgs sowie die Weiterführung der laufenden Grunderneuerung der Bundesautobahnen und Schienstrecken.Dazu zählen die Unternehmensverbände den Ausbau der ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt-Berlin und die "Grunderneuerung" der Autobahn Berlin-Dreseden A 13.

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