Wirtschaft : Zwei Frauen für den DGB Gewerkschaftsbund sucht Vorstände. Ganz oben soll weiter ein Mann stehen

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Berlin - Die Neuaufstellung des Deutschen Gewerkschaftsbundes bekommt langsam Konturen. Als Ersatz für die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock kommen zwei Frauen infrage: Elke Hannack, derzeit Vorstandsmitglied bei Verdi, und Eva Maria Welskop-Deffaa, bis vergangenen Sommer Abteilungsleiterin für Gleichstellung und Chancengleichheit im Familienministerium. Beide Frauen erfüllen eine Grundvoraussetzung für den Spitzenjob beim DGB – sie haben das richtige Parteibuch. Denn für das CDU-Mitglied Sehrbrock, seit 2006 Stellvertreterin des DGB-Vorsitzenden Michael Sommer, muss wieder eine Unions-Frau her, damit wenigstens ein Vorstandsmitglied einen Draht hat in die größte Volkspartei.

Verdi-Chef Frank Bsirske und der Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, entscheiden maßgeblich, wer den DGB führt. Im Mai 2014 steht der nächste Bundeskongress des DGB an. Bis auf Annelie Buntenbach gehen dann alle Vorstände in den Ruhestand. Sehrbrock wird Mitte nächsten Jahres 65, entweder Hannack oder Welskop-Deffaa rücken bereits dann nach. Die 51-jährige Hannack hat im nordrhein-westfälischen DGB Karriere gemacht und sitzt seit 2007 im Verdi-Vorstand, wo sie sich um Sozialpolitik kümmert. Bsirske würde sie Richtung DGB ziehen lassen. Doch Hannack zaudert, weil die Sozialpolitik an der DGB-Spitze auch künftig von Buntenbach betreut wird. Für Hannack spricht die Erfahrung: Sie weiß genau, wie es läuft in der DGB-Welt.

Eva Maria Welskop-Deffaa kommt aus dem Kirchenkosmos. Sie hat für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gearbeitet und war dann von 2006 bis 2012 Abteilungsleiterin im Familienministerium. Die weithin geschätzte Frauenpolitikerin wurde Anfang Juli von Familienministerin Kristina Schröder (ebenfalls CDU) in den Ruhestand versetzt – mit 53 Jahren. Die Reaktionen waren verheerend für die junge Ministerin. So beklagten die kommunalen Frauenbeauftragten in einem Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel das „bestürzende Signal“. Frauenrat, Juristinnenbund und Gewerkschafterinnen bedauerten den Rausschmiss von Welskop-Deffaa. Nun taucht sie wieder auf. Entweder führt ihr Weg in den DGB-Vorstand oder sie ersetzt Hannack an der Spitze von Verdi. Beide Jobs sind mit gut 10 000 Euro im Monat ganz ähnlich dotiert.

Damit haben Bsirske und Huber eine erste Lücke geschlossen an der DGB-Spitze. Gesucht werden noch Nachfolger für Claus Matecki, Dietmar Hexel und Michael Sommer. Tatsächlich geht es aber lediglich um zwei Stellen, denn der Vorstand wird 2014 von fünf auf vier Personen verkleinert. Mit Buntenbach und Hannack/Welskop-Deffaa sind zwei Posten weiblich besetzt, also fehlen zwei Männer – und einer von denen wird Nachfolger von Michael Sommer. Nachdem Sommer vor gut zehn Jahren von Verdi nominiert worden war, ist nun die IG Metall dran. Doch Huber tut sich schwer. Denkbar ist deshalb, dass die IG Bergbau, Chemie, Energie den ersten Mann stellt. Dem Vernehmen nach gibt es dort schon einen Kandidaten. Alfons Frese

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