Wirtschaft : Zwei Jahre näher dran an der Rente

Der Sanierungsplan für Opel soll bis Oktober ausgehandelt werden / Die Chance für Bochum ist klein.

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....aber bleibt Opel auch? Die Chancen stehen schlecht, nach jetzigem Stand macht das Werk in vier Jahren dicht. Foto: dapd
....aber bleibt Opel auch? Die Chancen stehen schlecht, nach jetzigem Stand macht das Werk in vier Jahren dicht. Foto: dapdFoto: dapd

Bochum - Von Erleichterung ist am Donnerstagmorgen vor Tor 1 des Bochumer Opel-Werks kaum etwas zu spüren. Die Beschäftigten wissen, was das Angebot des Opel-Managements, die Zafira-Fertigung bis Ende 2016 im Ruhrgebiet zu lassen, für sie bedeutet: Lohnverzicht. „Die wollen nur Geld“, schimpft Werner Butterweck, als er zur Frühschicht kommt. „Wir sollen schon wieder bluten“, sagt der 54- jährige Montagearbeiter und erinnert an die vielen Sparrunden der vergangenen Jahre. „Bis ein Verhandlungsergebnis vorliegt, sind IG Metall und Konzernbetriebsrat bereit, die Fälligkeit der Tariferhöhung von 4,3 Prozent bis Ende Oktober 2012 auszusetzen“, sagte Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug am Donnerstag. Doch wohin können die Verhandlungen führen?

2017 gehen nach den Plänen der Opel- Führung die Lichter in Bochum endgültig aus. Es sei „keine weitere Produktallokation für Bochum nach Auslauf des jetzigen Zafira“ vorgesehen. Mal sehen. „Indirekt“ hätten die Opel- und GM-Bosse angedeutet, dass man in den USA und Korea gebaute Autos womöglich auch in Bochum montieren könne, heißt es bei der IG Metall. Und vielleicht ändern sich doch noch die Umstände.

Auf der Arbeitnehmerseite erinnert man sich gerne an die letzte Stellenabbauwelle vor ein paar Jahren. Kurz darauf entwickelte sich der Absatz prima, und Opel holte rund 200 Leute, die eigentlich schon draußen waren, wieder zurück ins Bochumer Werk, wo heute mit knapp 4000 Personen einige tausend weniger arbeiten als vor zehn Jahren. Die Politik hofft derweil auf Investitionen und Wachstum und eine nächste Chance. Bochum hat „ eine langfristig gute Zukunft“, sagte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Donnerstag, wenn GM mit seiner deutschen Tochter auf Wachstum setze. Und natürlich macht Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) auf Optimismus. Die Belegschaft könne nach dem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2016 „zunächst einmal durchatmen“, freute sich Scholz. Jedoch erwarte die Stadt, dass in den anstehenden Verhandlungen „eine langfristige und tragfähige Perspektive“ für das Bochumer Werk entwickelt werde.

Andreas Paul glaubt nicht daran. „Wir sollen zahlen für nichts“, befürchtet der 49-Jährige Opel-Arbeiter. Zu oft seien die Erwartungen der Belegschaft enttäuscht worden. „Da kommt nichts mehr.“ Das Bochumer Werk brauche neben dem Zafira ein zweites Modell zum Überleben, hatte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel immer wieder gemahnt. Bei den Opel-Beschäftigten, die 2004 mit einem Streik Schließungspläne abgewehrt hatten, macht sich inzwischen Fatalismus breit. Der permanente Abbauprozess der vergangenen Jahre hat Spuren hinterlassen. Und es gibt kaum noch Möglichkeiten für sozial verträglichen Stellenabbau: die meisten älteren Kolleginnen und Kollegen sind schon weg, heute ist die Belegschaft relativ jung.

„Nicht schon wieder“, sagen viele am Donnerstagmittag beim Schichtwechsel. Es ist nicht klar, ob sie den Lohnverzicht oder die Fragen nach ihrer Stimmung meinen. Manche können der aktuellen Entwicklung Gutes abgewinnen. „Kann man mit leben“, raunt ein Arbeiter. „Zwei Jahre näher an der Rente“, knurrt ein Opelaner. Die Einstellung zum neuen Angebot des Managements ist auch eine Altersfrage, meint Gerhard Großmann, der in der Qualitätssicherung arbeitet und seit 22 Jahren bei Opel ist. „Für die Jüngeren könnte das eine Chance sein“, vermutet er. „Für mich ist es in vier Jahren dann wohl zu spät für einen neuen Job.“ mit dpa

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