Wirtschaft : Zwei links, keins rechts an der Spitze der IG Metall

BERLIN (uwe/pt/HB).Einen Tag nach dem Scheitern des Personalvorschlags von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel für die Nachfolge von Walter Riester hat am Mittwoch der Diskussionsprozeß über den zukünftigen Kurs der IG Metall begonnen.Statt für den von Zwickel favorisierten 46jährigen Bertin Eichler hatte sich der Vorstand mit für den niedersächsischen Bezirksleiter Jürgen Peters als Vize-Chef der Metallgewerkschaft ausgesprochen.Der Vorstand bemängelte im Konzept Zwickels große Lücken.So fehle eine klare Botschaft für die zukünftige Tarifpolitik der Gewerkschaft.Deshalb beharrten die Bezirksvertreter auf Peters, der sich unter anderem bei der Einführung der Vier-Tage-Woche bei VW sowie der 100prozentigen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in Tarifverhandlungen bewährt hatte.Für den Posten des Vize-Chefs waren neben Peters auch Hasso Düwel aus dem Bezirk Brandenburg-Sachsen und Harald Schartau aus dem nordrhein-westfälischen Bezirk gehandelt worden.

Mit Peters wird nun die Rollenverteilung zwischen den Traditionalisten und den Modernisierern in der Gewerkschaft aus der Zentrale in die Bezirke verlagert.Peters gilt - wie Zwickel - eher als Vertreter des linken Lagers der Gewerkschaft, in den Bezirken dagegen wird zunehmend auf die vom Gesamtmetallpräsidenten Werner Stumpfe ausgerufene "neue Partnerschaft" gesetzt.Da die IG Metall aber "ohnehin eher links von der Mitte angesiedelt sei", sei es in sozialdemokratischen Zeiten "ganz gut, an der Spitze einen Tarifpolitiker zu haben, der sich ungebetene Ratschläge vom Hals zu halten weiß", sagte IG-Metall-Sprecher Jörg Barczynski gegenüber dem Düsseldorfer Handelsblatt.Dagegen habe Zwickel "für die nächsten Jahre zwei Kernaufgaben: Ein Bündnis für Arbeit hinzukriegen und eine radikale Umorientierung der IG Metall, um den negativen Mitgliedertrend zu brechen", sagte Barczynski, "und Peters muß ihm nun dabei helfen".In der IG Metall war in den vergangenen Monaten immer mal wieder beklagt worden, daß der Gegensatz zwischen Klaus Zwickel und seinem Stellvertreter Walter Riester - vor allem in der Frage der künftigen Arbeitszeitverkürzung - den Erneuerungsprozeß gelähmt habe.

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