Zwei Wochen vor Ausbildungsstart : Berliner Handwerk sucht noch 2000 Lehrlinge

Mäßige Stimmung im Handwerk: Betriebe klagen über Umsatzeinbußen und immer mehr Unternehmen haben Probleme, Nachwuchs zu finden.

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Wer sich last-minute im Nahrungsmittelgewerbe bewirbt, hat gute Chancen.
Wer sich last-minute im Nahrungsmittelgewerbe bewirbt, hat gute Chancen.Foto: pa/dpa

Berlin - Nach drei Jahren Hochkonjunktur hat sich die Stimmung bei Handwerksbetrieben in Berlin und Brandenburg etwas eingetrübt. Zwar sind laut einer Umfrage der Handwerkskammern Berlin, Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus immer noch 84 Prozent der Unternehmen mindestens zufrieden mit ihren Geschäften. Jedoch haben sich die Umsätze in der Region schlechter entwickelt als von ihnen erwartet. „In allen Branchen klagen mehr Unternehmen über Einbußen“, sagte Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin bei der Vorstellung der Ergebnisse am Donnerstag. Einigermaßen stabil bleibe trotzdem die Zahl der Beschäftigten: Lediglich im Kfz-Gewerbe würden am Ende des Jahres wohl weniger Menschen beschäftigt sein als zuvor. Der Trend zum Personalabbau könnte sich im zweiten Halbjahr noch verstärken, fürchten die Kammern.

Knapp zwei Drittel der Betriebe (64 Prozent) haben überdies zunehmend Schwierigkeiten, geeignete Lehrlinge zu finden. Vor drei Jahren waren es noch knapp 57 Prozent. Besondere Ausmaße hat der Bewerbermangel in den Bereichen Frankfurt/Oder und Cottbus erreicht: Hier konnten 76,4 Prozent beziehungsweise 80,2 Prozent der Firmen nicht alle Stellen besetzen. Aktuell sind laut HWK-Chef Wilke noch 2000 handwerkliche Ausbildungsplätze in der Hauptstadtregion unbesetzt. „Riesen-Chancen für Last-Minute-Bewerber gibt es vor allem im Nahrungsmittel- und Gesundheitsgewerbe.“ Die Zahl der Stellen für Berufsanfänger ist dabei im Vergleich zum vergangenen Ausbildungsstart um 3,4 Prozent gestiegen. Zugleich ergab die Umfrage eine nur geringe Bereitschaft der Firmen, Jugendliche aus dem Ausland auszubilden. Nur acht Prozent haben das schon getan, 60 Prozent lehnen es ab. Hauptargument sind sprachliche Barrieren. Bei der Nachwuchs-Gewinnung setzen die Firmen vornehmlich auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Hälfte meldet offene Stellen dem Arbeitsamt, nur vier Prozent nutzen Soziale Netzwerke.

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