Wirtschaft : Zweifel am Nutzen der Telekom-Fusion mehren sich

DÜSSELDORF (uso/hst/abo/HB).Alle wollen es, alle müssen es, doch der Erfolg stellt sich nur selten ein: Der Aufbau eines europäischen Telekommunikationsnetzes - über Kooperationen oder Fusionen - gilt unter Experten zwar als der Königsweg zu einer starken Stellung im turbulenten Telekommunikationsmarkt.Der Weg dorthin jedoch ist steinig - zumal für die meist sanierungsbedürftigen Ex-Monopolisten.

Branchenkenner sehen den möglichen Zusammenschluß der Deutschen Telekom mit Telecom Italia daher mit gemischten Gefühlen.Nicht nur, daß die Fusionspläne eher aus der Not des Abwehrkampfes als aus der Anziehungskraft der Partner geboren wurde - gerade im Geschäftsleben können Zweckehen durchaus ihren Charme haben.Ernsthafte Bedenken gibt es aber, was die Einsparmöglichkeiten aus dem Bündnis angehen.Experten schätzen sie auf rund zwei Prozent des Umsatzes, ein eher magerer Ertrag angesichts des Risikos, das die Aktionäre eingehen.Denn ob es der Deutschen Telekom gelingen könnte, neben dem eigenen Personalabbau auch noch die Sanierung der Telecom Italia durchzuziehen, ist unsicher.Zusätzlich steht die Deutsche Telekom im Feuer des derzeit schärfsten Preiswettbewerbs in Europa.Die Fusion könnte zwar Kosten senken - doch bleibt die Frage, ob nicht Management-Kapazitäten gebunden werden, die das Unternehmen zu Hause dringend benötigt.

Eine Idee von den Schwierigkeiten einer Fusion zweier Ex-Monopolisten gibt das skandinavische Beispiel: Dort steht ein Vierteljahr nach der Bekanntgabe der Fusion durch die Kommunikationsminister Norwegens und Schwedens die Zustimmung der Parlamente immer noch aus.In beiden Ländern widersetzen sich die oppositionellen Konservativen den Privatisierungsplänen.Nationale Untertöne wie der Streit über den Standort der Konzernzentrale haben schon den Abschluß der Fusionsverhandlungen immer wieder verzögert.Seit Stockholm als Konzernsitz feststeht, fordert Norwegen jetzt Oslo als Sitz für die Mobilfunk- und Internet-Sparten des Konzerns.

Nationale Eigenheiten haben auch die Zusammenarbeit der Deutschen Telekom mit France Télécom ständig erschwert.Schon seit einigen Monaten gibt es Differenzen zwischen den beiden Konzernlenkern über den gemeinsamen Kurs.France-Télécom-Chef Michel Bon hält eine Wachstumsstrategie, die auf Akquisitionen auch in Übersee setzt, für falsch - er hat diesen Weg, den Telekom-Chef Ron Sommer bevorzugt, als gefährliche Modeerscheinung bezeichnet.Entsprechend zahnlos blieb denn auch die Zusammenarbeit der beiden Konzerne in dem Joint-venture Global One, das nun von der Auflösung bedroht ist.Für France Télécom wäre es dann vorrangig, sich einen neuen Partner in Deutschland zu suchen, um den Ex-Partner daheim unter Druck zu setzen.

Einen ganz anderen Weg haben die kleineren unter den europäischen Ex-Monopolisten eingeschlagen.Swisscom und die niederländische KPN konzentrieren sich bei ihrer Internationalisierung auf wenige Märkte, die sie mit meist mittelgroßen Partnern angehen.Während die Schweizer in Baden-Württemberg, Österreich und Frankreich erfolgreich aktiv sind, streben die Niederländer in die Ferne: Sie halten Beteiligungen in Irland, Tschechien sowie Indonesien und betreiben ein Joint-venture mit dem US-Unternehmen Quest.Damit sind die Niederländer den Deutschen einen Schritt voraus, die immer noch nach einem Einstieg in den US-Markt suchen.Den größten Coup hat bisher British Telecom gelandet - mit einem Joint-venture mit dem US-Telefonriesen AT&T.Die Deutsche Telekom würde bei einer Fusion mit Telecom Italia immerhin einen Fuß in den lateinamerikanischen Markt bekommen - Nordamerika jedoch bliebe weiterhin ein weißer Fleck.

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