Wirtschaft : Zweifel an griechischer Lösung Zentralbank warnt vor weiteren Umschuldungen

Berlin - Die Europäische Zentralbank hat nach dem Euro-Gipfel davor gewarnt, nach Griechenland weitere Euroländer umzuschulden. Die Debatte habe zu dramatischen Ansteckungsgefahren in der Euro-Zone geführt, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi der „Welt am Sonntag“. Auch die Bundesbank ist in Alarmstimmung: Ihr Präsident Jens Weidmann befürchtet eine Transferunion und schwindende Haushaltsdisziplin in Europa. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich hingegen überzeugt, dass sich der Einsatz lohnt. „Es muss alles getan werden, um diesen Euro stabil und anerkannt zu halten“, sagte sie am Samstag.

Ökonomen glauben unterdessen, dass Griechenland noch weitere Umschuldungen bevorstehen. Eine Pleite sei durch das Rettungspaket zwar abgewendet worden, erklärt UBS-Volkswirt Paul Donovan. Aber nur vorerst. „Eine vollständige Zahlungsunfähigkeit mit einem regelrechten Schuldenerlass („Haircut“) ist aber weiter unvermeidbar.“ Dazu könnte es nächstes oder übernächstes Jahr kommen. Irgendwann müssten Griechenland rund 50 Prozent seiner Schulden erlassen werden, damit das Land überhaupt irgendeine Hoffnung auf Glaubwürdigkeit habe.

Das neue Hilfspaket der Euro-Länder im Umfang von 109 Milliarden Euro sieht längere Laufzeiten für Kredite und niedrigere Zinsen vor. Erstmals wird auch den privaten Gläubigern ein Beitrag auf freiwilliger Basis abverlangt. Sämtliche Maßnahmen zusammen dürften den Druck auf die Griechen lindern. Doch erleichterte Finanzierungsbedingungen sind nicht dasselbe wie der Abbau von Schulden, mahnen Experten.

Ein wichtiger Faktor ist die Konjunkturentwicklung. Wächst die Wirtschaft, wird die Finanzkraft durch höhere Steuereinnahmen gestärkt. Der Euro-Gipfel hat darum auch einen „Marshall-Plan“ vorgeschlagen, der die griechische Wirtschaft in Schwung bringen soll. Doch Analysten zweifeln, ob das ausreicht. Ohne eine Währungsabwertung, die für die Griechen als Mitglieder der Euro-Zone nicht infrage kommt, könne es Jahre dauern, bis die Wirtschaft international wieder wettbewerbsfähig ist. Der Rettungsplan sollte zwar verhindern, dass die griechische Schuldenmisere den Rest Europas aus dem Tritt bringt, sagt ING-Euro-Zonen-Volkswirt Martin van Vliet: „Aber es ist nicht sicher, dass dies wirklich der Anfang vom Ende der Krise ist.“ dpa/rtr

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