Wirtschaft : Zweifelhafter Verdacht

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Letzte Woche vereitelte ein französisches Gericht die Silvesterpläne des Financier George Soros. Das Gericht befand ihn der „Insidergeschäfte“ mit Aktien an der Société Générale für schuldig. Soros wurde zur Zahlung von 2,2 Millionen Dollar verurteilt – so viel, wie er vor 15 Jahren, bei einem feindlichen Übernahmeversuch verdient haben soll. Seltsam ist dabei, dass das Gericht anscheinend Gesetze zur Anwendung brachte, die erst zwei Jahre nach dem Vorfall in Kraft traten. Vor 1990 konnten in Frankreich nur tatsächliche Insider belangt werden. Soros räumte ein, dass er von einer Investorengruppe, die die französische Bank übernehmen wollte, angesprochen wurde. Eine Teilnahme an dem Geschäft habe er jedoch abgelehnt. Daraufhin kaufte er weiterhin Anteile für sich selbst, während die Preise wegen des Übernahmeversuchs anstiegen, und verkaufte sie mit Profit. Er streitet ab, detaillierte oder vertrauliche Informationen über das Gebot bekommen zu haben.

Insidergeschäfte sind schwer zu ahnden: Der Gesetzgeber verlangt eine grundsätzliche Chancengleichheit für alle Investoren, ob Profi oder Amateur. An dieser Regel ist nicht viel Einleuchtendes, einschließlich der Definition der „Insider“. Darüber hinaus ist die „Absicht“, von vertraulichen Informationen zu profitieren, schwerlich anders als durch Profit nachzuweisen. Damit steht praktisch jeder, der mit Gewinn handelt, unter Verdacht. Der Fall Soros dreht sich um die Frage, wie „inside“ jemand genau sein muss, um sich schuldig zu machen. Ist das Wissen, dass einige Investoren eine Übernahme planen, schon genug? Noch ist nicht klar, ob Soros einfach nur ein profitables Geschäft gemacht hat. Und nicht einmal in Frankreich gilt Profit als illegal. Es ist jedoch möglich, dass Soros’ Reputation als meisterlicher Aktienhändler hinderlich war. Er ist der einzige Verurteilte von mehr als einem Dutzend, gegen den ermittelt wurde. Die 2,2 Millionen Dollar Strafe würden dem Milliardeninvestor nicht weiter weh tun. Trotzdem will er das Urteil anfechten. Wir waren mit Soros’ weitreichenden Theorien nie ganz einverstanden, aber über seine Entschlossenheit in dieser Sache lässt sich nicht streiten. Jemand muss die Prinzipien des Marktes verteidigen und wer sollte das besser tun, als der berühmteste Händler im RisikoGeschäft?

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