Wirtschaft : Zweimal Wiesbaden mit Pommes, bitte!

Bahnkarten bei McDonald’s reichen für eine Woche

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Berlin - Die Kälte hat viele McDonald’s-Kunden nicht geschreckt. Schon bevor die Türen um acht Uhr geöffnet wurden, drängten sie sich am Montag-Morgen bei Minusgraden vor den Filialen. Nicht um Hamburger ging es ihnen, sondern um Bahnfahrkarten. Vier Stück zu 99 Euro verkauft die Deutsche Bahn über die Fastfoodkette, für beliebige Fahrten quer durch Deutschland. Eine Fahrt kostet also 24,75 Euro.

Ein Massenansturm wie bei der ersten Sonderaktion der Bahn vor einem Jahr blieb aber aus. Damals waren eine Million Tickets beim Dicounter Lidl binnen weniger Stunden ausverkauft. Diesmal beträgt das Kontingent vier Millionen Karten und reicht voraussichtlich für die ganze Woche, heißt es bei McDonald’s.

Der Haken: Gültig sind die Tickets nur bis Juni und nicht an Sonn- und Freitagen. Außerdem hatten Verbraucherschützer im Vorfeld kritisiert, es sei nicht überschaubar, wie viele Tickets pro Filiale zur Verfügung stünden.

Trotz des Sonn- und Freitagsfahrverbots war die Nachfrage zunächst groß. „Dann schwänze ich eben montags die Uni“, sagte die 20-jährige Mariette Taegener, die Französisch, Spanisch und BWL in Mannheim studiert. Sie spart durch die Aktion nach eigenen Angaben pro Fahrt 105 Euro, „obwohl ich eine Bahncard habe.“ Dafür stand sie eine Viertelstunde vor verschlossenen Türen in der Tauentzienstraße in Berlin-Charlottenburg und quetschte sich dann an Kamerateams und anderen Kunden vorbei.

Die Tickets bei Lidl vom Mai 2005 konnten noch an jedem Wochentag genutzt werden. Diesmal gibt es Einschränkungen, weil Fernzüge an Sonn- und Freitagen ohnehin voll besetzt sind mit Pendlern, die Bahn aber vor allem auf Neukunden abzielt. Das Potenzial ist groß: Fast jeder zweite Deutsche ist noch nie mit einem ICE gefahren. „Wir müssen neue Wege finden, auf den Kunden zuzugehen“, sagt Bahnvorstand Nikolaus Breuel. Mit dem Vertriebspartner McDonald’s hat die Bahn diesmal besonders Jugendliche im Visier. Bei Lidl war das Konzept erfolgreich: Die Hälfte der Käufer waren Neukunden.

Damit die Schlangen nicht zu lang wurden, hat McDonald’s in seinen Filialen schon morgens mehrere Kassen geöffnet und alle verfügbaren Mitarbeiter zur Frühschicht abkommandiert. Jeder Käufer bekam maximal fünf Hefte, die meisten Kunden waren aber mit einem zufrieden. So schnell wie er begonnen hatte, war der Andrang dann auch wieder vorbei. Um neun Uhr fragten nur noch vereinzelt Kunden nach den Tickets. „300 haben wir bereits in der ersten Stunde verkauft“, sagt Zoran Hodak, Filialleiter in den Spandau-Arcaden.

Auch in anderen Filialen lief der Betrieb schon ab neun Uhr wieder ganz normal. Weder am Potsdamer Platz noch gegenüber dem Bahnhof Zoo war der Andrang zu dieser Zeit außergewöhnlich groß. Ursula Meyer hätte sich am Morgen also nicht 45 Minuten in die Kälte stellen müssen. Eigentlich kennt die Rentnerin McDonald’s nur aus den Erzählungen ihrer Enkel. Doch sie will mit ihrem Mann zu einem Familienbesuch nach Wiesbaden fahren. „Eigentlich fahren wir immer mit dem Auto“, sagt sie. Doch das Angebot sei einfach gut. Auch die Stiftung Warentest stuft es für Langstrecken als günstig ein, bei mittleren Strecken lohne sich aber vor allem für Bahncard-Besitzer ein Preisvergleich.

Am längsten gewartet hat Mads Sander, ein Seemann aus Dänemark: Über anderthalb Stunden harrte er aus. Mit dem erstem Ticket will er in Gera seine Gastfamilie besuchen. Dann geht es nach Flensburg, Richtung Heimat. du-/otr

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