Zweiräder : Die Produktion steht still – die Legende lebt weiter

Bei MZ Motorrad in Sachsen hofft man auf neuen Investor - noch.

Hannes Heine
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Ausgerollt: MZ in Sachsen.Foto: dpa

Berlin - Die Zeit der legendären MZ-Motorräder ist vorbei. Das traditionsreiche Werk im sächsischen Zschopau stellt nach fast 90 Jahren die Produktion ein, 1922 verließ das weltweit erste Zweitakt-Motorrad die Fabrik im Erzgebirge. Den bis zum Schluss verbliebenen 40 Mitarbeitern wurde zum Ende des vergangenen Jahres gekündigt. Man verhandele aber weiterhin mit Interessenten für die Fabrik, versicherte die Geschäftsführung. Dem Vernehmen nach sind mehr als fünf Millionen Euro für eine Übernahme erforderlich. Derzeit seien noch acht Mitarbeiter mit dem Herstellen von Ersatzteilen beschäftigt, sagte Personalchef André Hunger auf Anfrage.

Der Eigentümer, der malaysische Großkonzern Hong Leong, hatte bereits vor Monaten angekündigt, das Werk wegen hoher Verluste Ende 2008 dichtzumachen, sollte sich kein Käufer finden. Das letzte Motorrad war vergangenen September vom Gelände gerollt. „Das Ende war absehbar“, sagt Ulrich Heim, Gewerkschaftssekretär der IG Metall und vor der Wende selbst Mechaniker bei MZ. Zu DDR-Zeiten hatten in Zschopau noch 3000 Beschäftigte bis zu 100 000 Motorräder pro Jahr produziert. Nach der Wende blieb die Nachfrage trotz teilweise hochgelobter Modelle aus. In den 90ern übernahm der Konzern Hong Leong das Werk dann nur noch mit 200 Mitarbeitern. Auch ein Besuch des sächsischen Wirtschaftsministers Thomas Jurk (SPD) im vergangenen Sommer konnte den Eigentümer nicht von einer Stilllegung abhalten.

Beim Industrie-Verband Motorrad bedauert man, dass in Deutschland jetzt nur noch von BMW in Berlin Motorräder hergestellt werden: „Bei uns läuft alles gut“, heißt es aus Spandau, wo rund 1800 Mitarbeiter Zweiräder herstellen. Auch der Thüringer Fabrikant Simson, von dem der legendäre Roller „Schwalbe“ stammt, ist dicht. Da aber noch hunderttausende Schwalben auf Deutschlands Straßen unterwegs sein sollen, läuft das Geschäft mit den Ersatzteilen gut: Rund 60 Leute produzieren in Kassel Teile für Simson-Produkte.

Hannes Heine

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