ZWEI SYSTEME IM WETTBEWERB : "Die DDR ist stärker gewachsen als die BRD"

Gerhard Heske war Forschungschef in der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik der DDR. Er hat erstaunliches berechnet. Die DDR soll ein höheres jährliches Wachstum gehabt haben als die BRD.

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Foto: privat

Herr Heske, Sie haben ausgerechnet, dass die DDR-Wirtschaft stets stärker gewachsen ist als die der Bundesrepublik. Wie kommen Sie dazu?


Ich habe die Daten beider Staaten so umgerechnet, dass man sie vergleichen kann. Das Ergebnis ist, dass das Bruttoinlandsprodukt der DDR 1989 um 558 Prozent höher war als 1950, in der BRD war es um 534 Prozent höher. Auch das jährliche Wachstum der DDR war höher, selbst in den 80er Jahren.

Angenommen, die Mauer wäre nicht gefallen – dann hätte die DDR die BRD eines Tages also theoretisch überflügelt?

Wenn sie ihr Wachstum aufrechterhalten hätte, ja. Das ist aber eine Fragestellung mit vielen unbekannten Variablen.

Bislang gilt die Marktwirtschaft als der Planwirtschaft überlegen.

Es geht um das relative Wachstum des Wohlstands, nicht um das absolute Niveau. Wachsen zwei Staaten über Jahre gleichmäßig, sind sie am Ende trotzdem nicht unbedingt auf einem Level – es kommt auf die Ausgangslage an. Die war für den Osten nach dem Krieg schlechter. Die DDR hat das nie überwunden. Je Einwohner lag das BIP der DDR 1989 um 44 Prozent unter dem der BRD. Um den Rückstand aus den Jahren 1949/50 auszugleichen, hätte die DDR je Erwerbstätigem im Schnitt jährlich um 6,2 Prozent wachsen müssen statt um real 3,9 Prozent.

Sie glauben, die schlechteren Startbedingungen erklären alles?

Ich bin Statistiker und schaue auf die realwirtschaftlichen Daten. Die Rahmenbedingungen in der DDR waren aus vielen Gründen schlechter als in der BRD. Die Arbeitskräfte wanderten ab, Rohstoffe fehlten, Zulieferer, vieles mehr. Es waren die wesentlichen materiellen Faktoren, die zum Wohlstandsrückstand geführt hatten, nicht das System der Planwirtschaft. Obwohl die längst nicht perfekt war.

Gerhard Heske war Forschungschef in der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik der DDR. Heute ist er Rentner. Mit ihm sprach Carsten Brönstrup.

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