Wirtschaft : Zweiter Freispruch für die Bayer-Aktie

Pharma- und Chemiewert legt nach Gerichtsurteil deutlich zu

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Berlin (pet). Der BayerAktie ging es am Freitag so gut wie lange nicht. Nach einem zweiten Urteil zum Cholesterinsenker Lipobay in den USA und einem positiven Trend bei den Chemiewerten setzte sich das Papier des Pharma- und Chemiekonzerns mit zeitweise mehr als sechs Prozent Kursgewinn an die Spitze des Dax. Ein amerikanisches Gericht hatte am Vorabend sämtliche Schadenersatzansprüche einer Frau abgelehnt. Damit sei Bayer von jeglicher Haftung freigesprochen, teilte das Unternehmen mit.

Auch wenn noch zahlreiche weitere Lipobay-Klagen in den USA ausstehen, werteten Analysten das Urteil vom Donnerstag als Vorentscheidung. „Das große Damoklesschwert schwebt nicht mehr über Bayer“, sagte Pharma-Analyst Ludger Mues von der Privatbank Sal. Oppenheim. Bayer hatte Lipobay im Sommer 2001 vom Markt genommen. Es wird mit mehr als 100 Todesfällen in Verbindung gebracht. Allein in den USA sind noch 8400 Klagen gegen Bayer offen.

Das Urteil vom Donnerstag dürfe zwar nicht überbewertet werden, gebe aber eine Richtung vor, sagten Analysten. Bisher war es fast unmöglich, die Höhe möglicher Schadenersatzzahlungen für Bayer abzusehen, die Schätzungen variierten zwischen einer und zehn Milliarden Dollar. Diese Unsicherheit hatte die Bayer-Aktie stark belastet: Seit Jahresbeginn hatte das Papier rund 50 Prozent seines Wertes verloren. Jetzt gehen Analysten nur noch von einer maximalen Schadenersatzsumme von zwei bis 2,5 Milliarden Dollar aus. „Die Risikoprämie in der Aktie reduziert sich mehr und mehr“, sagte Pharmaanalyst Mues.

Die Bayer-Aktie stieg bis zu Handelsschluss in einem freundlichen Gesamtmarkt um 5,45 Prozent auf 14,12 Euro. Die Aktie profitierte dabei auch vom positiven Trend der Chemiewerte insgesamt. Die Börsen honorieren die niedrigen Ölpreise und spekulieren wieder auf ein schnelles Ende des Irak-Krieges.

Im jüngsten Lipobay-Fall, der am Freitag in Jackson/Mississippi entschieden wurde, hatte eine 70 Jahre alte Frau Bayer auf insgesamt 50 000 Dollar Schadenersatz verklagt. Sie hatte nach der Einnahme des blutfettsenkenden Mittels über Muskelschmerzen und Muskelschwäche geklagt. Das Gericht ging allerdings davon aus, dass ihre Beschwerden auf Arthritis zurückzuführen waren. Schon im ersten Lipobay-Urteil im März dieses Jahres hatte ein Gericht in Texas Bayer freigesprochen. Der nächste Prozess soll nach Angaben des Konzerns am 21. April in Texas beginnen.

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