Wirtschaft : Zweitgrößter Porzellanhersteller gerät in Turbulenzen

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Die Kirchenlamitzer Winterling AG steht vor einem Scherbenhaufen. Wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit hat der fränkische Porzellanhersteller beim Amtsgericht Hof am Mittwoch einen Insolvenzantrag gestellt. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Acherner Rechtsanwalt Eberhard Braun bestellt, teilte das Amtsgericht mit. Grund für den Schritt ist nach Konzernangaben die Weigerung von Teilen der Familienaktionäre, Gelder zur Sanierung des Krisenbetriebs zur Verfügung zu stellen.

Vor dem endgültigen Aus steht das hinter der Selber Rosenthal AG führende deutsche Porzellanunternehmen angeblich noch nicht. Das Insolvenzverfahren biete die Chance, Winterling neu zu strukturieren, eine neue Eigentümerstruktur zu schaffen und den Konzern wieder wettbewerbs- und marktfähig zu machen, ließ Vorstandschef Günter Fischedick am Mittwoch mitteilen. Die Belegschaft wurde vom Management am Mittwoch über die neue Situation informiert. Die Banken um Poolführer Bayerische HypoVereinsbank AG, München, seien bereit, das Insolvenzverfahren mit Massenkrediten finanziell zu begleiten. Der Betrieb bleibe damit insgesamt erhalten und die Produktion werde fortgeführt. Derzeit wird die Belegschaft von Winterling gerade um rund 200 Stellen auf dann noch etwa 2000 Mitarbeiter abgebaut. Das Management wurde vor kurzem ausgewechselt. Durch den Konkurs könnten alte, das Unternehmen belastende Konflikte ihr Ende finden und die Handlungsfähigkeit deutlich verbessert werden, hofft indessen Vorstandschef Fischedick.

Hintergrund dieser Äußerung ist ein anhaltender Zwist unter den 24 völlig zerstrittenen Familienaktionären des Porzellanherstellers. Gemäss dem von Wiesheu jüngst ausgehandelten und nun geplatzten Sanierungskonzept hätten sie zusammen mit Banken ihrem Unternehmen zehn Millionen Mark zur Verfügung stellen sollen. Weil sich einzelne Eigner weigerten, zogen auch die Banken ihre Zusagen zurück.

1997 übernahmen die Franken die marode Sparte Haushaltsporzellan der ehemaligen Hutschenreuther AG. Damit reicherten sie ihr aus der Marke Eschenbach bestehendes Sortiment aber nicht nur um die Marken Hutschenreuther und Arzberg an, sondern auch um neue Probleme. Winterling hat sich auf ein Marktsegment konzentriert, das über massive Preiskämpfe und Importdruck stöhnt. Angaben des früheren Managements zufolge hat Winterling durch die Übernahme der Hutschenreuther-Sparte im Vorjahr den Konzernumsatz von 172 auf 235 bis 240 Millionen Mark ausgebaut. Dem Vernehmen nach musste dabei ein Verlust von 15 bis 20 Millionen Mark nach einer "schwarzen Null" im Jahr zuvor verbucht werden.

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