Wirtschaft : Zweitgrößter Stahlriese der Welt entsteht

HANNOVER/BRÜSSEL (AP).Die luxemburgische Arbed-Gruppe will bei der Salzgitter AG einsteigen und damit vor Thyssen-Krupp auf Platz drei unter den weltweiten Stahlherstellern rücken.Niedersachsens Wirtschaftsminister Peter Fischer bestätigte die Pläne des Landes für eine Allianz der Salzgitter AG mit Arbed.Es sei immer klar gewesen, daß auch nach der Herauslösung des Unternehmens aus dem Preussag-Konzern vor einem Jahr nach einem Partner für Salzgitter gesucht werde.Anders als seinerzeit gehe es bei der Partnerschaft mit Arbed "nicht um einen Ausverkauf".Es sei klar, daß Niedersachsen als Stahlstandort erhalten bleiben müsse.

"Wir reden über eine Zusammenarbeit, was alles von einer Allianz bis zu einer Fusion sein kann", sagte der zuständige Arbed-Manager Yves Germeaux in Brüssel.Die Gespräche seien weit gediehen, erklärte auch die Norddeutsche Landesbank (NordLB).Zusammen mit dem Großaktionär NordLB hält das Land Niedersachsen derzeit noch die Mehrheit an Salzgitter.Niedersachsen ist an dem Stahlunternehmen mit 25,5 Prozent beteiligt, die NordLB hält treuhänderisch 14 Prozent für einen Mitarbeiterfonds und weitere 28 Prozent aus Aktienrückkäufen.

Der neue Stahlkonzern würde rund 23 Mill.Tonnen Rohstahl pro Jahr produzieren und etwa 67 500 Mitarbeiter beschäftigen.Die Verhandlungen sollen noch in dieser Woche abgeschlossen werden, berichtete das "Handelsblatt" am Donnerstag.Das Land Niedersachsen könne sich damit schneller aus der Salzgitter AG zurückziehen als geplant.Niedersachsen und die NordLB hatten vor einem Jahr die damalige Stahltochter des Preussag-Konzerns übernommen, um einen Verkauf an ausländische Interessenten und einen damit verbundenen Arbeitsplatzabbau zu verhindern.Ende Mai wurden zwei Drittel der Anteile an der Börse weiterverkauft.Weil der Aktienkurs aber anschließend stetig fiel, kaufte die NordLB rund 28 Prozent der Anteile wieder zurück.Niedersachsen wollte seine Sperrminorität ursprünglich für fünf bis sieben Jahre behalten.Das gesamte Unternehmen werde derzeit an der Börse mit einer Mrd.DM bewertet, hieß es.

Auch in der neuen Konstruktion wollen Land und NordLB laut "Handelsblatt" aber mitreden können und dafür vorerst auf Einnahmen aus Aktienverkäufen verzichten."Die Politik ist zumindest auf Zeit Mitunternehmer", zitiert das Blatt aus Kreisen der Beteiligten.Es sei ein Anteilstausch geplant, bei dem beide Großaktionäre Arbed-Anteile erhielten.

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Salzgitter AG, IG Metall-Vorstandsmitglied Horst Schmitthenner, kritisierte das Vorgehen der Landesregierung und der NordLB.Die bisherigen Gespräche seien "in einer Nacht-und Nebel-Aktion ohne Information der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat geführt worden", sagte Schmitthenner.Zugleich wollte Schmitthenner eine Zustimmung zu einer Partnerschaft nicht grundsätzlich ausschließen, aber nur unter bestimmten Bedingungen prüfen.Voraussetzungen seien: Verbleib des Entscheidungszentrums in Salzgitter, Erhalt der drei Stahlwerke Salzgitter, Peine und Ilsenburg sowie der Montan-Mitbestimmung.Klar sei auch, daß die Salzgitter AG nicht zerschlagen werden dürfe, sondern als Gesamtunternehmen für Produktion und Verkauf von Stahlerzeugnissen bestehen bleiben müsse.

Die Luxemburger hatten vor Jahren bereits vom Klöckner-Konzern das Bremer Stahlwerk übernommen und betreiben in Thüringen ein Trägerstahlwerk.Diese Töchter sollen laut dem Bericht mit Salzgitter zu einer deutschen Stahl-Holding zusammengefaßt werden.

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