Wirtschaft : Zwickel drängt auf Einigung bei den Arbeitsplätzen

FRANKFURT (MAIN) (rtr). IG-Metall-Chef Klaus Zwickel will mit den Metall-Arbeitgebern bis spätestens Anfang kommenden Jahres konkrete Schritte zur Schaffung neuer Arbeitsplätze vereinbaren. Bis dahin müsse in Kernpunkten eine Einigung erzielt sein, sonst drohe eine "Hängepartie", sagte Zwickel am Freitag in Frankfurt. In der Anfang 2000 anstehenden Lohntarifrunde könnten diese Themen nicht behandelt werden. Zwickel will mit Gesamtmetall-Präsident Werner Stumpfe erstmals im September über die Umsetzung der im Bündnis für Arbeit vereinbarten Maßnahmen sprechen.Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Arbeitgeberdachverband BDA hatten bei ihrer dritten Bündnisrunde bei Kanzler Gerhard Schröder (SPD) Anfang Juli vereinbart, mehr Lehrstellen zu schaffen, die Möglichkeiten für Altersteilzeit zu verbessern und Überstunden abzubauen. In einer gemeinsamen Erklärung von DGB und BDA waren noch zahlreiche andere Themen angesprochen worden, wie neue Arbeitsplätze geschaffen und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft gestärkt werden könnte. Bislang steht aber nicht fest, über welchen Katalog sich Zwickel und Stumpfe bei ihrem ersten Spitzengespräch unterhalten werden.Zwickel zeigte sich zuversichtlich, daß eine Einigung mit den Arbeitgebern möglich sei. Erste Signale von Gesamtmetall seien so zu verstehen, daß man über die Themen offen reden könne. "Das ist eine gute Voraussetzung", sagte Zwickel. "Politisch-ideologische Fragen scheinen nicht im Vordergrund zu stehen." Er gehe jedenfalls nicht mit "geballter Faust" in das Treffen mit Stumpfe, betonte der Gewerkschaftschef. Im Vordergrund stehe für die IG Metall die Schaffung von Ausbildungsplätzen, der Abbau der jährlich rund 200 Mill. Überstunden in der Branche und die Rente ab 60 Jahren. Bis Mitte Oktober solle Bilanz gezogen werden, inwieweit die "Ausbildungsgarantie" in den Betrieben umgesetzt sei und ob die Interessenten "wohnortnah" und in ihrem Wunschberuf eine Lehrstelle gefunden hätten.Ziel der IG Metall sei es außerdem, für alle Überstunden einen Freizeitausgleich durchzusetzen und dafür neue Stellen zu schaffen. Das dadurch in der gesamten Wirtschaft entstehende Potential für neue Arbeitsplätze bezifferte Zwickel auf 300 000 bis 500 000, allein wenn die vermeidbare Mehrarbeit verhindert werde. Dazu müßten Arbeitgeber und Gewerkschaft aber erst definieren, was überhaupt als Überstunden gezählt werden solle. Ein generelles Verbot von Überstunden strebe die IG Metall nicht an.Arbeitgeber und Gewerkschaft kämen aber nicht umhin, die ständig steigende Zahl der Überstunden abzubauen. Untersuchungen hätten zudem gezeigt, daß maximal ein Drittel der Beschäftigten überhaupt daran interessiert sei, länger zu arbeiten. Ein immer größerer Anteil favorisiere zudem einen Freizeitausgleich für Mehrarbeit anstatt dafür mehr Geld zu bekommen. Zwickel räumte dabei allerdings auch ein, daß sich viele Arbeitnehmer auf das regelmäßig fließende Zubrot der Überstundenzuschläge eingestellt hätten. Deshalb sei in den Betrieben durchaus umstritten, ob und inwieweit Überstunden überhaupt abgebaut werden sollten.Für eine Einigung müssen IG Metall und Gesamtmetall bereit sein, den noch bis Ende 2000 laufenden Manteltarifvertrag schon jetzt zu ändern. Dem Vernehmen nach waren sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in diesem Punkt aber schon einmal sehr nahe. Beim ersten Anlauf für ein Bündnis für Arbeit - damals noch unter der alten Bundesregierung - sollte die Grenze, ab der Überstunden tarifvertraglich in Freizeit abgegolten werden müssen, deutlich gesenkt werden. Dieser Faden könnte nun wieder aufgenommen werden.Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Dieter Schulte, hat unterdessen Bundeskanzler Gerhard Schröder vor einer rigorosen Fortsetzung seines Kurses der neuen Mitte gewarnt. Die Regierung habe die Wahlen "nicht in der neuen Mitte, sondern durch soziale Themen gewonnen", sagte Schulte der "Kölnischen/Bonner Rundschau". Er warf dem rot-grünen Kabinett vor, ihre Pläne zur Steuerpolitik unterschieden sich nur noch marginal von der Linie der Regierung des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl.

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