Wirtschaft : Zwickel lehnt Rücktritt ab

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Berlin (Tsp/hej). In der Affäre um Millionen Abfindungen für frühere Mannesman-Manager hat der Vorsitzende der IG-Metall, Klaus Zwickel, alle Vorwürfe zurückgewiesen. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt unsauberen Geschäften zugestimmt“, sagte der Gewerkschaftschef am Donnerstag in Frankfurt (Main). Seinen von Kreisen der Union und der FDP geforderten Rücktritt lehnte Zwickel ab. „Ich bleibe Vorsitzender der IG Metall.“ Unterdessen gingen die Ermittlungen weiter.

Zwickel sagte, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Allerdings räumte er ein, dass statt einer Stimmenthaltung bei dem Aufsichtsratsbeschluss über Abfindungszahlungen für Mannesmann-Manager vor zweieinhalb Jahren ein klares Nein besser gewesen wäre.

Nach der Übernahme des Telefon-Konzerns Mannesmann durch den britischen Konkurrenten Vodafone waren im Februar 200 insgesamt 148 Millionen Mark aus der Mannesmann-Konzernkasse an aktive und ehemalige Manager des Konzerns geflossen. Diese Zuwendungen wurden von einem vierköpfigen Ausschuss des Aufsichtsrates bewilligt, dem neben Zwickel auch der jetzige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, angehörte.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob die Höhe der Zahlungen angemessen war. Der ursprüngliche Verdacht, die Mannesmann-Manager hätten sich durch Bestechung zur Übernahme des Konzerns bewegen lassen, hat sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft dagegen nicht bestätigt. Zu den Beschuldigten zählen neben Zwickel und Ackermann auch der frühere Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser, der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk und drei weitere Personen. Sie dürfen bis zum 16. August Stellung nehmen.

Den ermittelnden Staatsanwälten warf Zwickel am Donnerstag Voreingenommenheit vor. „Wenn die Staatsanwälte meine Stimmenthaltung jetzt als Beitrag zur Schädigung des Vermögens der Mannesmann AG werten, stellt das die Tatsachen auf den Kopf", sagte der Gewerkschaftsboss. Die Ermittlungen hätten nicht den Anschein eines Verdachts auf persönliche Bereicherung oder Vorteilsnahme zu Gunsten der IG Metall ergeben. Zwickels Rechtsanwalt will jetzt die Ablösung der beiden ermittelnden Staatsanwälte beantragen.

Die Staatsanwaltschaft wies den Vorwurf der Voreingenommenheit zurück. Außerdem bestehe nicht die geringste Veranlassung, die Ermittler abzulösen. Ob die Ermittlungen wegen Untreue zum Erfolg führen können, ist unter Fachleuten derweil umstritten. Die Vorgänge bei Mannesmann seien „kein Fall für den Richter“, sagte Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen, dieser Zeitung. Die Ermittlungen seien „wenig zielführend“. Angesichts der gezahlten Millionen sei eine gehörige Portion „Sozialneid“ im Spiel, vermutet Gerke. Die hohen Abfindungen an Ex-Mannesmann-Manager seien zwar moralisch nicht einwandfrei, aber juristisch nicht angreifbar. Dagegen meint Hans-Peter Schwintowski, Professor an der Berliner Humboldt-Universität, dass man die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft „durchaus ernst nehmen" müsse. Ohne begründeten Anfangsverdacht hätten sich die Ermittler in der Öffentlichkeit niemals so deutlich geäußert, vermutet der Jurist. Glaube man den Berichten, so spräche doch einiges dafür, dass Vorstand und Aufsichtsrat zum Schaden des Unternehmens zusammengewirkt hätten. Beide Seiten hätten Vorverhandlungen über die Abfindungen geführt und konnten sicher sein, dass diese Vereinbarung später von der – von Vodafone dominierten – Hauptversammlung auch gebilligt werden würde. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass mit diesem Deal der Widerstand gegen die Mannesmann-Übernahme gebrochen werden sollte, liege ein Fall von Untreue vor.

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