Wirtschaft : Zwickel warnt vor faulem Kompromiss bei der Rente mit 60

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Der Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, hat Bundesregierung und Arbeitgeber davor gewarnt, die Gewerkschaften im Bündnis für Arbeit zu überfordern. "Wir haben ein großes Interesse, dass aus dem Bündnis ein Erfolg wird", erklärte er in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. "Einen Kompromiss um jeden Preis wird es jedoch beim Streitthema Rente mit 60 nicht geben." Er sei nicht bereit, beim nächsten Bündnistreffen über das hinaus zu gehen, was der Vorsitzendes des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Dieter Schulte, bereits angeboten habe. Danach wollen die Gewerkschaften bei den Tarifverhandlungen der nächsten Jahre einen Teil des Verteilungsspielraums, wie ihn der Produktivitätszuwachs vorgibt, für Beschäftigungsförderungen einsetzen. Zwickel verlangt, im Bündnis müsse ein Ausstieg aus dem Erwerbsleben mit 60 zu zumutbaren Bedingungen vereinbart werden. Ein Ausbau der Altersteilzeit sei keine Gegenleistung für eine Grundsatzvereinbarung, nach der die Gewerkschaften mehrere Jahre Gehälter unterhalb der Produktivitätsentwicklung vereinbaren sollen. "Für die verschiedenen Altersteilzeittarifverträge haben die Gewerkschaften bereits durch Verzicht auf mögliche Lohnerhöhungen bezahlt", sagte Zwickel. An die Adresse des Vorsitzenden der IG Bergbau, Energie, Chemie, Hubertus Schmoldt, der Zwickel einen Konfrontationskurs bei der Rente mit 60 vorgeworfen hatte, erklärte Zwickel: "Wenn Schmoldt bereit ist, Lohnleitlinien im Bündnis zu akzeptieren und sich im Wesentlichen mit einem Ausbau der Altersteilzeit begnügen will, dann soll er das für seinen Tarifbereich so machen." Für die IG Metall komme dies nicht in Frage.

Der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) wies Drohungen der Gewerkschaften mit einer harten Lohnrunde zurück. Auch die Forderung nach einer Rente mit 60 oder andere kollektive Verkürzungen der Lebensarbeitszeit lehnte DIHT-Präsident Hans Peter Stihl in einem dpa-Gespräch erneut strikt ab. Er forderte stattdessen "über mindestens fünf Jahre eine moderate Lohnpolitik". Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye sagte in Berlin, es werde sich zeigen, ob es noch vor dem 11. Januar eine neue Bündnis-Runde geben könne. "Wir arbeiten an einem Termin." Am 11. Januar will die IG Metall ihre Tarifforderungen festlegen.

In der Ausgestaltung eines vorgezogenen Ruhestandes zeigten sich führende Gewerkschafter unterdessen kompromissbereit. Der DAG-Vorsitzende Roland Issen warnte davor, die Rentenfrage zu einer Schicksalsfrage für das Bündnis zu machen. Das wäre nicht gerechtfertigt, sagte Issen. Auch Schmoldt und der Vorsitzende der ÖTV, Herbert Mai, hatten mehr Kompromissbereitschaft gefordert. Mai appellierte an die Tarifpartner, das Bündnis für Arbeit mit einem Kompromiss zu retten. Wenn in einzelnen Branchen Arbeitnehmer statt mit 60 erst mit 62 oder 63 in Rente gingen, ließen sich die Kosten reduzieren, sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

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