Wirtschaft : Zwickels unheilvolle Neujahrsbotschaft

Dass 2002 ein besseres Jahr als 2001 werden könnte, dürfen die Unternehmen der Metallindustrie kaum hoffen. Gleich am Neujahrstag ließ IG-Metall-Chef Klaus Zwickel die Arbeitgeber wissen, dass seine 2,8 Millionen Gewerkschafter in der anstehenden Tarifrunde endlich Geld sehen wollen. Sechs bis sieben Prozent mehr Lohn wolle die IG Metall aushandeln, bekräftigte er.

Einigt sich die Gewerkschaftsspitze Ende Januar tatsächlich auf Zwickels Forderung, wird es mit der schnellen wirtschaftlichen Erholung nichts. Wer wie der IG-Metall-Chef glaubt, dass man nur den Arbeitnehmern mehr Geld in die Taschen stopfen muss, um einen Aufschwung hin zu bekommen, irrt. Denn wer nicht dafür sorgt, dass die Unternehmensgewinne auch entsprechend steigen können, sorgt für das Gegenteil: Die Firmen werden die Kosten kompensieren, indem sie Personal abbauen. Die Europäische Zentralbank wird aus Furcht vor einer stärkeren Inflation die Zinsen nicht weiter senken - und einer konjunkturellen Wende nicht den nötigen Schub geben können. Eine überzogene Tarifrunde schadet allen: der Beschäftigung, den Unternehmen und dem Aufschwung.

Es gibt allerdings einen Hoffnungsschimmer: Über eine Differenzierung der Lohnabschlüsse denkt IG Metall-Vizechef Jürgen Peters nach. Müssten die Unternehmen nicht pauschal mehr Lohn bezahlen, sondern würde ein neuer Tarifvertrag den Unterschieden der wirtschaftlichen Lage der Unternehmen Rechnung tragen, wäre ein hoher Abschluss zumindest halbwegs erträglich - weil er dann für die meisten Unternehmen nur auf dem Papier stünde.

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