Wirtschaft : Zwischen den Zeilen wird es eng „Bücher öffnen die Tür ins Internet“ Otto-Versand steigt in

Steigende Umsätze freuen die Buchbranche. Doch die Konzentration im Handel macht den Verlagen zu schaffen Online-Buchhandel ein

Juliane Schäuble

Auf großem Fuß kann Heinrich von Berenberg von seinen Geschäften nicht leben. Drei, vier Bücher im Halbjahr bringt der Berenberg Verlag heraus. Dass es nicht mehr sind, ist so gewollt: „Unsere Bücher sind sehr aufwendig: großformatig, fadengeheftet und in Halbleinen gebunden“, sagt von Berenberg. Kaum eines habe mehr als 200 Seiten. „Wir wollen klein bleiben, alles andere würde sich mit unserem Programm nicht vertragen.“ Dennoch: Die Umsätze des vor drei Jahren gegründeten Verlags steigen. Dabei hilft eine Vetriebskooperation mit dem Münchner Antje-Kunstmann-Verlag. „Ohne dies würden wir viel weniger Leser erreichen“, sagt der Berliner Verleger. Man teilt sich einen Vertriebsleiter, Berenbergs Bücher gelangen über Kunstmann’sche Vertreter in viele Läden, in denen sie sonst keine Chance hätten. „Wir sind auch in großen Ketten wie Thalia oder Hugendubel vorhanden.“ Aber die meisten Bücher verkaufe Berenberg immer noch über Einzelbuchhandlungen.

Doch die zunehmende Konzentration im Buchhandel macht vielen kleinen, unabhängigen Verlagen das Leben schwer. Bei ihrer Expansion verdrängen die Ketten zwangsläufig manche kleine Buchhandlung. „Uns teilen sie in A-, B- und C-Verlage ein. Als kleiner C-Verlag kommen wir bei denen gar nicht rein“, sagt Stefan Weidle vom Bonner Weidle Verlag. Die Auflagenstärke ist meist zu unattraktiv. „Der Markt, den wir erreichen, wird immer kleiner“, sagt Weidle, der seit zwölf Jahren vor allem Exilliteratur, aber auch Kunstbücher veröffentlicht. Vor sechs Jahren habe er von einem Titel noch doppelt so viel verkauft wie heute.

Auch mittelgroße Verlage wie Klaus Wagenbach spüren die Macht der Ketten. Zwar ist der Berliner Verlag, der im Jahr rund 50 Neuerscheinungen auf den Markt bringt, dort vertreten. „Das Problem ist aber, dass diese nur einen Bruchteil unseres Programms anbieten. Es kann sei, dass in einer riesigen Filiale nur zehn Titel von uns stehen, in einer kleinen Buchhandlung daneben aber 100“, sagt Verlagschefin Susanne Schüssler.

Der wirtschaftliche Druck auf viele Buchhändler sei groß, warnt der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder. Der harte Wettbewerb nutzt den Marktführern: der Douglas-Buchhandelskette Thalia und Weltbild/Hugendubel. Letztere schlossen sich 2006 zur mächtigen DBH Buch Handels GmbH zusammen. 465 Buchhandlungen betreiben sie bereits, bis Mitte 2008 soll die Filialzahl auf 500 erhöht werden. Für weitere Investitionen sei man „finanziell gut aufgestellt“, heißt es.

Branchenbeobachter Boris Langendorf erstellt regelmäßig einen Konzentrationsindex des Buchhandels. Daran lässt sich ablesen, dass der Anteil der größten Unternehmen rasant steigt. Jüngstes Ergebnis: Auf die größten zwei entfällt insgesamt fast ein Viertel des Gesamtumsatzes.

Insgesamt geht es der deutschen Branche – nach den USA der zweitgrößte Buchmarkt der Welt – etwas besser als in den vergangenen Jahren. Das hebt die Stimmung vor der Buchmesse, die vom 9. bis 14. Oktober in Frankfurt stattfindet. 2006 erlösten Handel und Verlage zusammen 9,3 Milliarden Euro, gut ein Prozent mehr als im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2007 liefen die Geschäfte nochmals besser – und die deutsche Ausgabe des Megabeststellers Harry Potter, Teil sieben, steht Ende Oktober an. Langendorf rechnet daher für 2007 „garantiert mit einem Umsatzzuwachs zwischen zwei und drei Prozent“.

„90 000 Titel erscheinen pro Jahr, Tendenz steigend“, sagt der Branchenexperte. Doch der Durchschnittspreis für ein Buch ist laut Börsenverein heute niedriger als 2001. Auch 2006 sanken die Preise (siehe Grafik). Das lag vor allem an dem Boom der Kioskausgaben, den Buchreihen, wie sie etwa die „Süddeutsche Zeitung“ herausgebracht hat. „Doch in diesem Jahr stabilisiert sich das wieder“, sagt Philip Röder, Geschäftsführer des Suhrkamp Verlags. Die Preise pendelten sich auf dem Niveau der Vorjahre ein. Das aber ist nicht sehr hoch: „Der Durchschnittspreis eines Buches bei einem Filialisten beträgt derzeit 8,81 Euro“, sagt Langendorf.

Herr Schnieders, Otto ist einer der größten Onlinehändler. Wie wichtig sind Bücher in Ihrem Sortiment?

Bücher sind eine sehr interessante Produktkategorie, da sie das Sortiment prima ergänzen. Deshalb arbeiten wir seit 1. Oktober mit dem Internet-Versender Libri zusammen, der mit seinem Mediensortiment in unsere Plattform Otto.de eingebunden wurde. So können wir rund 2,5 Millionen Medienartikel online anbieten.

Das tun andere auch. Welche Zielgruppe hat Otto im Blick?

Otto steht für Mode- und Lifestyle-Produkte. Gleichzeitig verfolgen wir einen One-Stop-Shopping-Ansatz. Wenn man beispielsweise gerade für die nächste Urlaubsreise nach dem passenden Badeanzug sucht, ist es doch bequem, den entsprechenden Reiseführer gleich mit zu bestellen. Das bieten nicht viele.

Bücher als Türöffner für das Internet-Versandhaus?

Wenn Sie so wollen, ja auch. Otto.de ist eines der am meisten frequentierten Shoppingportale im Internet, und es ist immer gut angekommen, wenn wir unser Angebot erweitert haben. Deshalb sind wir optimistisch, dass dies bei Büchern und anderen Medienprodukten auch so sein wird.

Amazon dominiert den Buchhandel im Internet. Lohnt es sich überhaupt für Otto, den Wettbewerb aufzunehmen?

Unser Ziel ist es nicht, Marktführer im Online-Buchhandel zu werden, sondern unseren Vorsprung bei Mode und Lifestyle weiter auszubauen. Hier sind wir laut GfK Marktführer. Trotzdem eignen sich Bücher auch dank der Buchpreisbindung und der Produktinformationen durch unseren Partner Libri hervorragend, um Zusatzumsätze zu generieren. Warum sollten wir darauf verzichten?

Das Interview führte Henrik Mortsiefer.

Thomas Schnieders ist Direktor für Neue Medien beim Versandhändler Otto. Im Internet setzt der Versand geschätzte 600 Millionen Euro um und ist damit weltweit nach Amazon Nummer zwei.

0 Kommentare

Neuester Kommentar