Wirtschaft : Zwischen Gemeinwohl und Profit

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Der Gewinn zählt – das gilt mittlerweile auch für Sparkassen. Viele von ihnen erzielen Renditen, von denen manche Großbank nur träumen kann. Deren Vertreter werfen den Sparkassen deshalb vor, dass ihre Geschäftsprinzipien sich kaum mehr unterschieden. Auch aus dem eigenen Lager kommt Kritik: Jüngst forderte der Geschäftsführer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Claus Friedrich Holtmann, den öffentlichen Auftrag der Sparkassen wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen und die Renditeziele unterzuordnen – so wie es das Gesetz vorsieht.

Die in Cottbus ansässige Sparkasse Spree-Neiße zum Beispiel gehört zu den profitabelsten Sparkassen bundesweit. Im Jahr 2005 erzielte sie einen Überschuss von 9,9 Millionen Euro. Für jeden Euro, den das Institut einnimmt, muss es nur etwa 39 Cent aufwenden – auch dies ein Spitzenwert. Viele Institute, wie etwa auch die erfolgreiche Sparkasse Köln-Bonn, stellen ihre Überschüsse komplett in die Rücklagen und weisen keinen Bilanzgewinn aus. Bei der Sparkasse Spree-Neiße bleiben immerhin noch knapp drei Millionen Euro übrig.

Sparkassenvorstand Thomas Heinze verteidigt die Gewinnorientierung: „Nur wer wirtschaftlich gesund ist, kann Kredite vergeben, wo andere Nein sagen.“ Gerade eine einkommensschwache Region wie die Lausitz brauche einen risikobereiten Geldgeber. „Wir haben schon eine Vielzahl von Existenzgründern begleitet“, sagt Heinze. Bei einer Gründerversammlung sei die Sparkasse Spree-Neiße als einzige brandenburgische Bank aufgetreten. Nach dem Mauerfall seien hier „Erfolgsstorys geschrieben worden, die es nach dem Papier gar nicht hätte geben dürfen“, erzählt Heinze.

Einen Großteil ihres Gewinns gibt die Sparkasse für Spenden und Sponsoring aus. Im vergangenen Jahr sprangen 975 000 Euro dabei heraus, etwa für die Sanierung der Cottbuser Klosterkirche oder das Musikfest „Folklore-Lawine“, vor allem aber für etliche kleine Projekte wie Sportvereine, Turnfeste oder Kinderhäuser. „Das sportliche, soziale und kulturelle Leben wäre sonst sehr viel ärmer“, meint Thomas Heinze – „um nicht zu sagen, es wäre gar nicht da“. Schließlich sei die Sparkasse neben dem Energiekonzern Vattenfall der einzige zahlungskräftige Sponsor in Cottbus.

Bei der Sparkasse Ueker-Randow ist das ähnlich. In der strukturschwachen Region in Vorpommern liegt die durchschnittliche Arbeitslosenrate bei mehr als 20 Prozent. „Wir haben eine Verpflichtung gegenüber der Region“, sagt Sprecherin Karin Schmidt und meint damit nicht nur die Arbeitsplätze. Vor acht Jahren hat die Sparkasse eine Stiftung aufgelegt, die soziale und kulturelle Projekte fördert. „Es gibt hier wenige Alternativen, um eine Förderung zu bekommen“, sagt Schmidt. Von den 500 000 Euro Überschuss des vergangenen Jahres sind allein 200 000 Euro in diese Stiftung geflossen. Davon profitieren alte Bockwindmühlen und Herrenhäuser der Region genauso wie Behinderte, für die gerade eine rollstuhlgerechte Segelyacht gebaut wird. ak/pet

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