Wirtschaft : Zwischen Korruption und Konfliktlösung

Diskussion über Mitbestimmung im Berliner WZB

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Berlin - Lord Dahrendorf blieb auf kritischer Distanz, doch ein richtiger Dissens wollte nicht aufscheinen am Donnerstagabend im Wissenschaftszentrum Berlin (WZB). Die Perspektiven der Mitbestimmung sollten die Professoren Ralf Dahrendorf, Manfred Weiss und Paul Windolf mit dem Praktiker Karl-Heinz Messmer diskutieren; Messmer sitzt als Vertreter der Leitenden Angestellten im Aufsichtsrat der BASF. Und gleich zu Beginn steckte der Chemiker den Rahmen. Die deutsche Mitbestimmung sei ein Legitimationsfaktor für die Marktwirtschaft, indem sie frühzeitig „aus Betroffenen Beteiligte“ mache. Und die Mitbestimmung an sich sei prägend für das kulturelle Selbstverständnis Europas, wo „Shareholder Value in Reinkultur abgelehnt wird“.

An dieser Stelle musste Dahrendorf widersprechen. Auch England, zu diesem Hinweis sah sich das Mitglied des britischen Oberhauses veranlasst, gehöre zu Europa, und dort sei Shareholder Value sehr wohl das die Gesellschaft prägende Prinzip. Dahrendorfs Skepsis gegenüber der deutschen Mitbestimmung begründet sich aus verschiedenen Aspekten. Wenn man alle Interessen in einer Institution bündele, dann würden Konflikte schnell verwischt. Ferner könne das Verfahren „korrumpierend sein“. Man erinnere sich an die VW-Affäre. „Das eigentlich neue Problem“, so Dahrendorf, liege aber in der Veränderung der Unternehmensstrukturen. Durch Outsourcing und Aufsplitterung ehemals homogener Unternehmen werde es zunehmend schwierig, die Mitarbeiter einzubeziehen.

Die deutsche Mitbestimmung übrigens sei keineswegs auf andere Länder übertragbar. Sie sei vielmehr als „Kompensation“ für ein hier zu Lande „sehr limitiertes Streikrecht“ zu sehen, sagte Arbeitsrechtler Weiss von der Frankfurter Goethe-Universität. Die Richtlinien der EU-Kommission erlaubten jedem Land, die Mitarbeiterbeteiligung nach eigenem Willen zu gestalten. Das muss kein Schaden sein, wie Dahrendorf bemerkte. „Auch unterschiedliche Institutionen können erfolgreich sein.“ alf

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