Wirtschaft : Zwischen UMTS-Anbietern wird es bald zu Fusionen kommen

dri/HB

Im europäischen Mobilfunkmarkt wird es in diesem Jahr eine Marktbereinigung geben. Davon ist Klaus-Dieter Scheurle überzeugt. Der frühere Telekom-Regulierer ist heute Telekommunikationsberater und Managing Director der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB). Für seine Einschätzung nennt er zwei Gründe: Die Unternehmen, die mit einer UMTS-Mobilfunklizenz neu in den Markt einsteigen wollen, werden dies finanziell nicht durchhalten. Gleichzeitig werden andere UMTS-Lizenzbesitzer Wettbewerber übernehmen wollen.

"Spätestens im Herbst werden die Weichen gestellt", meint Scheurle. Der Grund: Im größten europäischen Mobilfunkmarkt Deutschland müssen nach den Lizenzbedingungen die neuen UMTS-Mobilfunknetze bis Ende 2003 ein Viertel der Bevölkerung erreichen. Spätestens ab der zweiten Jahreshälfte 2002 müssen daher die milliardenteuren Netze gebaut werden. Eine Übernahme mache daher vor dieser Phase Sinn, so Scheurle.

Investmentbanker hoffen weltweit darauf, dass die Flaute ihrer Branche endet und es wieder zu Fusionen im Telekommunikationsmarkt kommt. Für eine wahrscheinliche Paarung hält Scheurle Telefonica Moviles mit der britischen MMO2, die British Telecom erst kürzlich ganz ausgegliedert hat. Vieles spreche auch für eine Übernahme der KPN-Mobilfunksparte durch die France-Télécom-Tochter Orange, meint Scheurle. Bei diesem Szenario würden in Deutschland die beiden kleinen Mobilfunkanbieter mit den Neueinsteigern zusammen gehen: E-Plus mit der France-Télécom-Beteiligung Mobilcom, und Viag Interkom mit der TelefonicaTochter Quam. Die Marktführer T-Mobile und D2-Vodafone mit je 40 Prozent Marktanteil dürfen in Deutschland nach Scheurles Auffassung aus Kartell-Gründen nichts übernehmen.

Im Gegensatz zu seinem Nachfolger als Telekom-Regulierer, Matthias Kurth, glaubt Scheurle nicht, dass bei diesen Fusionen jeweils eine der je acht Milliarden Euro teuren UMTS-Lizenzen einschließlich der begehrten Frequenzen zurück gegeben werden muss. Scheurle, der die Lizenzbedingungen mit entwickelt hat, glaubt vielmehr, dass die Unternehmen die für den Mobilfunkbetrieb wichtigen Frequenzen behalten dürfen. Er begründet dies damit, dass nach den Lizenzbedingungen ein Unternehmen alleine so viele Frequenzen hätte ersteigern können wie heute zwei UMTS-Anbieter haben. Der Besitz daran widerspreche den Regeln nicht. Während Kurth sich nicht äußern will, was passiert, wenn ein UMTS-Lizenzinhaber vom Markt geht, dringen T-Mobile und Vodafone nach Handelsblatt-Informationen darauf, dass die Frequenzen dann unter den verbliebenen Anbietern versteigert werden.

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