Wirtschaft : Zwischenhoch auf dem Arbeitsmarkt

Zahl der Arbeitslosen sinkt im Oktober – am Aufschwung liegt das aber nicht, sagt Arbeitsamts-Chef Gerster

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Berlin (brö). Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im Oktober stärker als in den vergangenen beiden Jahren zurückgegangen. Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) zählte 4,152 Millionen Menschen ohne Beschäftigung, das waren rund 55000 weniger als noch im September. Dies ist gleichwohl der höchste OktoberStand seit sechs Jahren. BA-Chef Florian Gerster sagte, eine Wende auf dem Arbeitsmarkt sei weiterhin nicht in Sicht. Auch die Lage auf dem Lehrstellenmarkt ist nach wie vor angespannt. Die Zahl der unversorgten Bewerber stieg sogar an, rechnerisch fehlen nun etwa 24000 Ausbildungsplätze.

Bereinigt um jahreszeitliche Einflüsse lag die Arbeitslosigkeit bei 4,38 Millionen Menschen, das war ein Rückgang um 12000. Der BA-Vorstandsvorsitzende Gerster sagte, dies sei auf Arbeitsmarkt-Reformen zurückzuführen. Sie führten dazu, dass sich Arbeitslose aus der Statistik abmeldeten oder sich mit Zuschüssen der Behörde als so genannte Ich-AG selbstständig machten. Insgesamt sei die Erholung besser ausgefallen als erwartet. „Die Entwicklung war erfreulich“, befand Gerster. Von einer grundlegenden Wende könne man aber erst sprechen, wenn auch die Zahl der Beschäftigten wieder steige. Sie war seit Beginn der Wirtschaftskrise vor etwa drei Jahren beharrlich gesunken. Im Oktober gab es 473 000 Erwerbstätige weniger als vor einem Jahr. „Die Frühindikatoren sprechen zwar von einer Belebung der Konjunktur“, sagte Gerster. „Beschäftigung und Arbeitslosigkeit werden davon aber erst zeitverzögert profitieren.“ Die Arbeitsmarkt-Reformen sorgten allerdings dafür, dass bei einem Anspringen der Konjunktur Arbeitsplätze schnell besetzt werden könnten.

Hoffnung in Amerika

In Westdeutschland zählte die BA im Oktober 2,638 Millionen Arbeitslose, das war eine Quote von 8,0 Prozent. Im Osten lag dieser Wert mehr als doppelt so hoch: 17,3 Prozent oder 1,514 Millionen Menschen waren dort ohne Beschäftigung. Die Werte für die Hauptstadt-Region liegen in einer ähnlichen Größenordnung – in Berlin waren 17,4 Prozent der Menschen ohne Stelle, in Brandenburg 17,7 Prozent.

Während die CDU von einem schlimmen Signal sprach und der Bundesregierung „Statistiktricks“ vorwarf, sah Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement in der Entwicklung ermutigende Zeichen. „Der Abbau der Arbeitslosigkeit kommt nach und nach in Gang“, sagte er am Donnerstag in Berlin. Dies zeige, dass die Regierung mit ihren Reformen auf dem richtigen Weg sei. Allerdings gebe es auch keinen Grund zum Jubeln. Negativ sei insbesondere die weiter rückläufige Zahl der Erwerbstätigen und die weiterhin angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt.

Ende Oktober standen der BA zufolge 37800 unversorgten Bewerbern um eine Lehrstelle 13800 offene Ausbildungsplätze gegenüber. Dies ergibt eine rechnerische Lücke von 24000 Plätzen. Gegenüber dem Wert von Ende September ist sie um knapp 4000 gewachsen, weil noch neue unversorgte Bewerber hinzugekommen sind oder einige Jugendliche eine begonnene Lehre wieder abgebrochen haben. SPD und Grüne wollen das Problem mit einer obligatorischen Ausbildungsabgabe für solche Betriebe lösen, die nicht oder zu wenig für den Nachwuchs tun. Darüber will die SPD-Fraktion am Montag entscheiden. Die Gewerkschaft IG Metall erklärte, die Nachvermittlungsaktion, auf die die Wirtschaftsverbände gesetzt hatten, sei ein Flop gewesen. Bundesbilungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) forderte erneut verstärkte Anstrengungen der Unternehmen, um bis Jahresende genügend Ausbildungsplätze zu mobilisieren.

Vom US-Arbeitsmarkt kamen hingegen ermutigende Zeichen. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gingen überraschend stark auf 348000 zurück, teilte das Arbeitsministerium in Washington mit. Das war der geringste Wert seit Januar 2001 und viel weniger als erwartet. Konjunkturexperten hatten auf diese Zahl gewartet, um zu analysieren, ob der Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft von Dauer ist. Im dritten Quartal war die US-Wirtschaft nach vorläufigen Berechnungen um 7,2 Prozent gewachsen. Eine Belebung des Arbeitsmarktes könnte auch zu einer stärkeren Binnen-Nachfrage in den Vereinigten Staaten führen und damit die Konjunkturerholung auf eine solide Basis stellen.

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