Wirtschaft : Zwölf Milliarden per Video Euro-Minister geben Griechenlandhilfe frei

Brüssel / Berlin - Zwölf Milliarden Euro jetzt, aber das 120 Milliarden Euro umfassende Hilfspaket später: So hatte Jean- Claude Juncker als Chef der Eurogruppe entschieden. Ursprünglich wollten die Finanzminister am Sonntag auch über das neues Rettungspaket für Griechenland debattieren. Doch Juncker hatte die Vorverlegung auf Sonnabend entschieden und aus dem Treffen eine Videokonferenz gemacht. „Mir war es lieber, eine undramatische Konferenz zur Auszahlung der fünften Tranche aus dem Hilfsprogramm zu haben, als eine dramatische Sitzung, wo man den Eindruck gehabt hätte, dass man sich erst einer Entscheidung annähert“, sagte Juncker. Die Debatte über das neue Paket soll jetzt am 11. Juli beim nächsten regulären Treffen der Euro-Minister geführt werden. Juncker wandte sich gegen Spekulationen, wonach das zweite Rettungspaket für Athen auf die lange Bank geschoben werden könnte. „Es wird ein neues Griechenland-Programm geben – in enger Abstimmung mit dem Internationalen Währungsfonds.“

Nach Überzeugung der deutschen Industrie benötigt das hochverschuldete Land nun dringend ein langfristiges Investitionsprogramm zur wirtschaftlichen Erholung. „Wir brauchen einen Businessplan“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel. „Jetzt müssen Wege gefunden werden, um den Griechen Zeit zu verschaffen, damit sie wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen.“ Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wies Keitel zurück. „Jede Lösung, die darauf abzielt, starke oder schwache Länder aus dem Währungsgebiet herauszulösen, wäre fatal sowie gefährlich und weit weg von der Realität.“ Auch ein Schuldenschnitt sei keine Lösung. Nötig sei neben Finanzhilfen, Sparmaßnahmen und der Beteiligung von Banken und Versicherern ein auf mehrere Jahre angelegtes Paket, um das Land für Investoren attraktiv zu machen.

„Griechenland benötigt ein Programm, mit dem nicht nur Ausgaben gekürzt, sondern auch Einnahmen generiert werden, die das Land heute nicht hat.“ Dies sei aber nicht kurzfristig machbar. „Das dauert nicht zwei, drei Monate, sondern mindestens fünf Jahre, wenn nicht gar zehn Jahre“, sagte Keitel. Rasche Entscheidungen zu zusätzlichen Investitionen sind nach Darstellung Keitels nicht zu erwarten. „Im Moment sind wir in einer Phase, in der der Notarzt mit Blaulicht vor der Tür steht“, beschrieb der BDI-Chef die Lage in Griechenland. „Da kann man jetzt noch nicht über die Reha reden“. dpa

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