Wirtschaft : Zwölf Stufen zum Himmel im Büro

Eine britische Agentur macht Firmen glücklich

Maren Peters

Wenn man Jessica Pryce-Jones zuhört, klingt das ein bisschen, als würde ein indischer Guru seine Jünger einschwören. „Arbeit ist die neue Gesellschaft“, sagt die Unternehmerin aus dem englischen Oxford. „Wir leben bei der Arbeit – also lasst uns verstehen, was wir da den ganzen Tag machen, lasst uns miteinander reden, um glücklicher zu werden. “

Jessica Pryce-Jones ist zwar alles andere als ein Guru, aber sie hat eine Mission: Sie und ihre Geschäftspartnerin Philippa Chapman wollen aus tristen Arbeitsstätten glückliche Orte machen. Vor zwei Jahren gründeten die beiden die Agentur i-opener („Augenöffner“), die inzwischen 25 Mitarbeiter beschäftigt und namhafte Unternehmen wie den Telekommunikationskonzern Vodafone, das Verpackungsunternehmen Tetra Pak und den Netzwerkausrüster Cisco berät. Eine ihrer Kernbotschaften: „Wir arbeiten für andere Dinge – nicht für Geld.“

Leicht gesagt, aber wie soll man das einem Arbeitnehmer beibringen, der sich jeden Morgen aus dem Bett quält, um genügend Geld für Heizung und Hypothek zu verdienen, der von Kollegen angeraunzt und von Chefs gepeinigt wird? Und dessen glücklichster Moment abends kommt, wenn er die Bürotür endlich hinter sich schließen darf? „Natürlich ist es möglich, bei der Arbeit glücklich zu sein“, sagt Pryce-Jones. „Wir machen das mit sehr einfachen und praxisnahen Mitteln. Und darum funktioniert es.“

Am Anfang steht die Diagnose des Unternehmens und der Mitarbeiter. Jeder Einzelne muss einen Fragebogen ausfüllen. „Jeder weiß genau, warum er unzufrieden ist“, sagt Pryce-Jones. „Die Leute sind froh, wenn sie uns das erzählen können.“

Eines der Unternehmen, die sie besucht hat, ist Tunes Engineering, eines der ältesten im englischen Städtchen Slough. Der Geschäftsführer Christopher Harbord beschreibt sich selbst als bekennenden Pessimisten. Als PryceJones und Chapman, die sich seine Firma für ein Projekt ausgesucht hatten, zum ersten Mal auftauchten, war er ziemlich entnervt. „Wir hatten immer sehr wenig Personalwechsel“, sagte er dem britischen „Guardian“, „Ich konnte nicht sehen, warum ausgerechnet wir ein unglückliches Unternehmen sein sollten.“ Doch als die beiden das Unternehmen wieder verließen, war er überrascht über den Unterschied. Auch sein Mitarbeiter Roger O’Connor ist angetan. „Die größte Veränderung ist die Art, wie wir jetzt zusammenarbeiten“, sagt er. „Sie haben uns beigebracht, das Positive zu sehen.“

I-Opener hat eine Art Zwölf-Stufen-Plan in den Bürohimmel (siehe Kasten) entwickelt. Dort listen sie eigentlich ganz selbstverständliche Dinge auf; Empfehlungen wie: „Erledigen Sie die Dinge gleich“ oder: „Suchen Sie Anerkennung“. Doch vielen sind diese Selbstverständlichkeiten nicht bewusst. I-Opener hilft mit Workshops nach. „Es gibt so viel Druck in der Arbeit“, sagt Pryce-Jones. Oft helfe es Mitarbeitern schon, ihnen die Angst vor dem Gespräch mit dem Chef zu nehmen. „Wir kurieren die Leute davon, Angst zu haben, indem wir ihnen klar machen, dass sie nichts zu befürchten haben, wenn sie reden.“

Nur in Ausnahmefällen kann die Zufriedenheit in Geld aufgewogen werden. So im Fall eines Londoner Brokers, der i-opener engagierte, weil die Firma nicht genügend Umsatz machte. Es stellte sich heraus, dass die älteren Partner ihre Tricks nicht genügend an die Jüngeren weitergegeben hatten. Ein halbes Jahr und viele Gespräche später war der Umsatz um 400 000 Pfund gestiegen.

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