Wirtschaft : Zypern verspielt Vertrauen Ratingagentur stuft Bonität um zwei Noten herab

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Athen - Wenn man vom Zypernproblem sprach, meinte man bisher die Teilung der Insel. Aber jetzt wird die kleine Inselrepublik selbst zu einem immer größeren Problem für Europa. Zypern ist der neue Euro-Krisenherd. Am Donnerstagabend stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s Zyperns Kreditwürdigkeit zum dritten Mal in fünf Monaten herunter, um zwei Stufen von „B“ auf „CCC+“. Zur Begründung führte die Agentur „die beträchtliche und steigende Gefahr eines staatlichen Zahlungsausfalls“ an. Mit der Herabstufung gerät Zypern noch tiefer in den Schuldenstrudel.

Bereits seit Mai 2011 ist Zypern praktisch von den Finanzmärkten ausgeschlossen. Der Grund: die Probleme des völlig überdimensionierten Bankensektors, dessen Bilanzsumme auf dem Höhepunkt rund das Neunfache der Jahreswirtschaftsleistung der Insel erreichte. Im Juni stellte das Land einen Antrag, unter den Rettungsschirm der Euro-Partner zu schlüpfen. Die Finanzminister der EuroGruppe wollen sich damit am 21. Januar befassen. Die angeforderten Hilfskredite entsprechen fast der gesamten Wirtschaftsleistung und würden die Verschuldung des Landes von gegenwärtig knapp 90 Prozent auf rund 185 Prozent des BIP explodieren lassen.

Kein Wunder, dass diese Woche Spekulationen über einen Schuldenschnitt die Runde machten. Der zyprische Präsident Dimitris Christofias schließt dies aber aus. „Zypern wird dem nicht zustimmen“, sagte er am Freitag. Maßgebliche Euro-Politiker versuchen deshalb, dieses Szenario noch von sich zu weisen: Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker sieht einen Schuldenschnitt „nicht als vorrangiges Instrument“. EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen erklärt, die Frage eines Schuldenschnitts stelle sich „jetzt nicht“. Die Bundesregierung legt sich nicht fest und will „alle Möglichkeiten ins Auge fassen“. Gerd Höhler

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