Wirtschafts-Medien : Pearson verlässt Frankreich und will Dow Jones

Der englische Verlag Pearson verkauft "Les Echos" und gibt sein Geschäft in Frankreich auf. Gleichzeitig denken die Briten über ein gemeinsames Gebot mit General Electric für Dow Jones nach.

Markus Mechnich
Pearson
Pearson will möglicherweise um den Dow-Jones-Verlag mitbieten. -Foto: AFP

New YorkDie General Electric (GE) und der Financial-Times-Herausgeber, die britische Pearson Plc, führen Gespräche über eine gemeinsame Offerte für Dow Jones. Dies hat das "Wall Street Journal" in seiner Onlineausgabe berichtet. Die Unternehmen hätten eine Szenarium erörtert, bei dem der GE-Wirtschaftsfernsehsender CNBC, die "Financial Times" und Dow Jones in einem Joint-Venture gehalten werden sollen. Die Bancroft-Familie, die Dow Jones kontrolliert, würde eine Minderheitsbeteiligung behalten.

Der Medienmogul Rupert Murdoch hatte über seine News Corp. ein Angebot von fünf Milliarden Dollar oder 60 Dollar je Aktie für Dow Jones gemacht. Dow Jones, der Herausgeber des "Wall Street Journal", wird über mit Mehrfachstimmrechten ausgestatteten Aktien von der Bancroft-Familie kontrolliert. Sie hatte sich mit Murdoch getroffen, über die redaktionelle Kontrolle des "Wall Street Journal" und anderer Dow-Jones-Publikationen durch Murdoch ist sie jedoch besorgt.

Bancroft-Familie soll im Boot bleiben

GE und Pearson diskutierten einen Plan bei dem sie jeweils 40 bis 45 Prozent Anteil an der Gesellschaft halten würden und die Mitglieder Bancroft-Familie zehn bis 20 Prozent. Diese Struktur würde es einigen Mitgliedern der Bancroft-Familie erlauben, ihre Anteile zu verkaufen, während andere sie in die neue Firma einbringen könnten. Sollten die Bancrofts beispielsweise einen 15-prozentigen Anteil behalten, müssten die Partner immerhin noch 4,25 Milliarden Dollar in bar aufbringen, basierend auf einem Wert von 60 Dollar je Dow-Jones-Aktie.

Das neue Joint-Venture soll nach Darstellung der Zeitung nicht börsennotiert werden. Es hätte eine starke globale Präsenz im Wirtschafts- und Finanzinformationsbereich. Neben dem "Wall Street Journal", der "Financial Times" und CNBC würden die Börsenwochenzeitung "Barron's", eine 50-prozentige Beteiligung an dem Wirtschaftsmagazin "Economist", Beteiligungen an Wirtschaftspublikationen in Russland, Frankreich, Südafrika und Indien sowie die führenden Aktienindizes in den USA und Großbritannien dazu gehören. Außerdem zählten auch die Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones sowie elektronische Medien wie Factiva und eine Mehrheitsbeteiligung an der Interactice Data Corp. dazu, einem Finanzinformationsdienst.

Rückzug aus dem nicht englischsprachigen Raum

Le Echos
"Les Echos", eine der großen französischen Wirtschaftszeitungen soll verkauft werden. Eigentümer Pearson will sich in den...Foto: AFP

Zuvor hatte der Verlag bereits bekannt gegeben die französische Wirtschaftszeitung "Les Echos" verkaufen zu wollen. Für das Blatt scheint es mit Bernard Arnault bereits einen Abnehmer zu geben. Bei einem solchen Verkauf an den Großaktionär des Luxusriesen LVMH könnte es jedoch zu kartellrechtlichen Problemen kommen. Zu der Gruppe gehört auch die zweiten große französische Wirtschaftszeitung "La Tribune".  Neben Arnaulkt soll es allerdings noch zwei weitere Interessenten geben. Der Kaufpreis liegt, nach Informationen der "Financial Times" bei rund 200 Millionen Euro. Im letzten Jahr machte die Gruppe einen Umsatz von 126 Millionen Euro und erzielte einen Erlös von zehn Millionen Euro.

Pearson scheint derzeit seine Strategie bei den Beteilgungen zu ändern. Der Verlag will ausschließlich im englisch-sprachigen Raum Zukäufe tätigen und sich von anderen Sprachräumen trennen. So steht, laut Bankenkreisen aus London, auch die 50-Prozent-Beteiligung an der "Financial Times Deutschland" zur Disposition. Die Zeitung gehört zu gleichen Teilen Pearson und dem deutschen Verlag Gruner + Jahr.  (mit dpa)