Wirtschaftsentwicklung : Dahme-Spreewald – im Osten ganz vorn

Der Landkreis Dahme-Spreewald ist der wirtschaftlich stärkste in den neuen Ländern, auch dank der Milliardeninvestitionen für den Großflughafen BBI in Schönefeld.

Thorsten Metzner

LübbenErneut ist ein brandenburgischer Landkreis, und zwar diesmal Dahme-Spreewald, die wirtschaftlich stärkste und dynamischste Region in den neuen Bundesländern. Im diesjährigen Ranking des Magazins „Focus-Money“ kam die zwischen Schönefeld und dem Spreewald gelegene Region südöstlich Berlins als Spitzenreiter Ost auf Platz 120 der 415 Landkreise bundesweit. Auf dem vorletzten Platz in Deutschland liegt dagegen die Stadt Cottbus in der Lausitz. Die Landeshauptstadt Potsdam ist nach dem bayerischen Freising die Stadt Deutschlands mit dem stärksten Bevölkerungswachstum.

Teltow-Fläming verliert Spitzenposition

Es kommt nicht unerwartet, dass Dahme-Spreewald am Nachbarkreis Teltow-Fläming vorbeigezogen ist, der das Ranking in der Vergangenheit mehrfach gewonnen hatte. Der Grund, da sind sich Experten, Kommunalpolitiker und Landesregierung einig, ist der in Bau befindliche Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld. Mit diesem liegt in Dahme-Spreewald das derzeit größte Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands, bereits jetzt Magnet für Ansiedlungen im Umfeld. Nirgendwo sonst in Deutschland wuchs laut Ranking das Bruttoinlandsprodukt (von 2005 zu 2006) so stark wie in Dahme-Spreewald, nämlich um 25,7 Prozent. Auf Platz 2 folgt mit 16 Prozent Böblingen in Baden-Württemberg. Auch finanziell steht der von SPD und CDU regierte Landkreis – Landrat ist Stephan Loge (SPD), CDU-Kreischefin die neue Landesparteichefin und Wissenschaftsministerin Johanna Wanka – im brandenburgischen Vergleich daher gut da. So plant der Kreistag in Lübben die Einführung von kostenlosen Mittagessen für bedürftige Schüler, gebührenfreie Schulbusse und ein kostenfreies Vorschuljahr. In Teltow-Fläming dagegen, zu dem auch der strukturschwache Süden um Wünsdorf und Sperenberg gehört, sank das Bruttoinlandsprodukt in dieser Zeit um ein Fünftel. In der Focus-Studie werden jedes Jahr Arbeitslosenquote, Wertschöpfung je Erwerbstätigem, Einkommen der Privathaushalte sowie die Entwicklung von Bruttoinlandsprodukt, Bevölkerung und Job-Zahlen aller deutschen Landkreise verglichen.

Das Land Brandenburg schneidet 2008 auch insgesamt gut ab, nämlich als bestes Ost-Bundesland – liegt aber insgesamt nur auf Platz 12. Nach Dahme-Spreewald sind die an Berlin grenzenden Kreise Oberhavel (Bundesrang 142), Havelland (222) und Ex-Spitzenreiter Teltow-Fläming (228) diesmal die bestplatzierten. Es folgen überraschend der strukturschwache Kreis Spree-Neiße in der Lausitz (268), früher einmal Schlusslicht, und Potsdam-Mittelmark (276). Die Landeshauptstadt Potsdam liegt lediglich im Mittelfeld (Platz 333), was allerdings am Fehlen von Industriebetrieben liegt.

Cottbus ist Schlusslicht

Unter Brandenburgs Kreisen und großen Städten schneidet das von Ex-Infrastrukturminister Frank Szymanski (SPD) regierte Cottbus am schlechtesten ab: bundesweit Platz 414 von 430. Allerdings sind Elbe-Elster (408), die Prignitz (378) oder Märkisch-Oderland (374) auch nicht viel besser. In einzelnen Kategorien gibt es jedoch Ausreißer: So ist in Brandenburg das verfügbare Jahreseinkommen je Einwohner mit 13 585 Euro in der Uckermark am geringsten – und auch im Deutschland-Vergleich am untersten Ende: Platz 411 von 415. Weniger Geld haben nur die Bewohner der strukturschwachen Gegenden Mecklenburg-Vorpommerns und merkwürdigerweise die Bürger Weimars (Platz 414).

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