Wirtschaftsflaute : IT-Branche kaum betroffen

Während die Autobauer ihre schwerste Krise seit Jahrzehnten erleben, hat die IT-Branche keinen Grund zu klagen. Die Auswirkungen der Wirtschaftsflaute in der Computerindustrie sind marginal.

BerlinDie Mehrheit der deutschen IT-Branche sieht sich von der aktuellen Konjunkturflaute bisher nicht betroffen. Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom spüren 72 Prozent der Firmen bisher keine Auswirkungen der Krise. Allerdings gaben 27 Prozent an, dass sie wegen des allgemeinen Wirtschaftsabschwungs weniger umsetzen oder niedrigere Auftragseingänge verzeichnen als erwartet, berichtete der Bitkom am Donnerstag. Der Verband hatte 352 Unternehmen befragt - darunter Gerätehersteller, Softwarehäusern und Telekommunikations-Dienstleister.

Für 2009 sieht eine knappe Mehrheit der Firmen keinen Grund, ihre Prognosen zu verändern. Allerdings korrigieren immerhin 43 Prozent der Unternehmen ihre Umsatzerwartungen für das kommende Jahr nach unten. "Die deutsche Hightech-Industrie sieht auch in Zeiten des konjunkturellen Abschwungs Chancen für innovative Technologien", sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer.

Die Aussichten auf einen Arbeitsplatz in dem Wirtschaftszweig bleiben der Umfrage zufolge gut. 75 Prozent der befragten Firmen haben an der bestehenden Personalplanung bislang nichts geändert. 14 Prozent wollen Neueinstellungen auf den Prüfstand stellen, lediglich bei neun Prozent gibt es einen Einstellungsstopp.

Die Krise bietet auch Chancen

Die Umfrage zeige, dass die Hardware-Hersteller die Folgen der Krise unmittelbarer spüren, Softwarehäuser und IT-Dienstleister dagegen nicht so stark. Bei Software und IT-Dienstleistungen erwartet Bitkom weiterhin Wachstum, in den meisten anderen Segmenten Umsatzrückgänge. Diese seien allerdings nicht nur der Finanzkrise geschuldet, sondern hätten ebenso mit dem anhaltenden, massiven Preisverfall bei Endgeräten und Telefon-Dienstleistungen zu tun.

"Die Krise anderer Sektoren bietet für die Branche auch Chancen", sagte Scheer. Informationstechnologie werde eingesetzt, um gerade in schwierigen Zeiten Kosten zu senken, im Unternehmen effizienter zu arbeiten und besser mit Kunden und Partnern zu kommunizieren.

Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage forderte Bitkom die Politik auf, Hightech-Projekte der öffentlichen Hand zu beschleunigen. In Verwaltung, Gesundheitssystem und Bildungswesen gebe es einen "Investitionsstau" von rund acht Milliarden Euro. (ah/dpa)