Wirtschaftskrise : Auftragseinbrüche bei Heidelberger Druck und KBA

Die deutsche Druckmaschinen-Industrie bekommt die weltweite Wirtschaftskrise mit voller Wucht zu spüren - und reagiert mit Stellenstreichungen und drastischen Sparprogrammen.

Heidelberg/WürzburgWeltmarktführer Heidelberger Druck verzeichnet die schlechteste Auftragslage seit Jahren und streicht 5000 Stellen - doppelt so viel wie geplant. Der weltweit drittgrößte Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) schreibt tiefrote Zahlen und sein Vorstandsvorsitzender Albrecht Bolza-Schünemann nimmt mit sofortiger Wirkung seinen Hut. Nach einem Nachfrageeinbruch im Geschäftsbereich Bogendruckmaschinen in Radebeul bei Dresden hat der Konzern vor Steuern einen Verlust von mehr als 85 Millionen Euro eingefahren, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Würzburg mit.

Beim Heidelberger-Druckmaschinen-Konzern folgte dem ersten Paukenschlag von Oktober 2008 am Donnerstag der Zweite: Jeder vierte der einst 20 000 Mitarbeiter soll bis Jahresende gehen. "Das wird nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen gehen", sagte Vorstandschef Bernhard Schreier. Bislang haben etwa 1500 Mitarbeiter den Konzern verlassen. Mit rund 1000 Beschäftigten gab es bereits Gespräche. Insgesamt stehen nun 3500 Menschen vor dem beruflichen Aus. Besonders treffen wird es die Beschäftigten an den beiden Hauptstandorten Heidelberg und Walldorf-Wiesloch.

Schreier begründete den drastischen Schritt mit der globalen Wirtschaftskrise und der anhaltenden Investitionszurückhaltung. Dies bekommt Deutschland - seit Beginn des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg im Jahr 1442 führend in der Welt - besonders hart zu spüren. Von der Wirtschaftsflaute ist die Werbung besonders betroffen. Folge: Druckaufträge bleiben aus, Maschinen stehen still. Zudem werden geplante Investitionen der Kunden ausgebremst durch die zögerliche Kreditvergabe der Banken. Da Prospekte und Plakate in den meisten Fällen auf den deutschen Maschinen gedruckt werden, bleiben Bestellungen aus.

Leere Auftragsbücher

Bei der KBA brach der Auftragsbestand im Konzern zum Jahresende 2008 um fast 37 Prozent auf 501,5 Millionen Euro ein. Der Umsatz ging 2008 um 10 Prozent auf 1,53 Milliarden Euro zurück. Bei Heidelberger Druckmaschinen waren die Auftragsbücher im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 (31. März) so leer wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Der Bestand rutschte um 41,5 Prozent auf 560 Millionen Euro. Der Negativ-Rekord wird nach Einschätzung von Schreier im vierten Quartal noch übertroffen: Er geht davon aus, dass der Auftragseingang unter 500 Millionen Euro sinkt. "Es ist nicht unsere erste Krise - aber es ist unsere tiefste", sagte Schreier.

Um die geplanten Kündigungen umsetzen zu können, kündigt das Heidelberger Unternehmen den zuletzt im Oktober 2007 verlängerten Tarifvertrag zur Zukunftssicherung zum 30. Juni. Es gebe keine Alternative zur Kündigung, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, sagte Schreier. Der Konzern will Gespräche mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft aufnehmen. Es sei durchaus möglich, dass diese Entscheidung "eine Signalwirkung" für die Branche habe, räumte der Konzernchef ein.

Drastische Sparprogramme

Zudem setzen die Heidelberger den Rotstift rigoros an: Die Einsparungen sollen von bislang 200 Millionen auf 400 Millionen Euro bis zum Geschäftsjahr 2010/2011 verdoppelt werden, teilte das im MDAX notierte Unternehmen mit. Wirkung zeigen soll dies größtenteils schon in dem am 1. April anlaufenden Geschäftsjahr 2009/2010. Gespart wird in allen Bereichen des Konzerns, vom Vertrieb über die Bereiche Forschung und Entwicklung bis hin zur Verwaltung. Die Investitionen werden weniger. Auch in der Produktion wird umgebaut: Die Verpackungsprodukte werden künftig im Hauptwerk Wiesloch-Walldorf zusammengezogen. Für die Umstrukturierung rechnet der Konzern mit Kosten von 170 bis 190 Millionen Euro.

Die Zahl der Beschäftigten bei KBA soll bis zum Jahresende 2009 von derzeit gut 7800 "deutlich in die Nähe von 7000 Mitarbeitern" sinken. Bereits im vergangenen Jahr wurden 400 Stellen gestrichen. Das sächsische Werk in Radebeul müsse grundlegend neu ausgerichtet werden. Zum Nachfolger von Bolza-Schünemann habe der Aufsichtsrat bereits den erst seit Februar 2009 amtierenden Finanzvorstand Helge Hansen bestellt, teilte KBA mit. (jam/dpa)