Wirtschaftskrise : Deutsche Exporte brechen ein

Düstere Aussichten für die Wirtschaft: In Folge der weltweiten Krise muss sich Deutschland in diesem Jahr auf einen Einbruch der Exporte einstellen. Der Bundesverband Groß- und Außenhandel rechnet für 2009 mit einem Rückgang um bis zu 15 Prozent.

Berlin Der Einbruch bei den Exporten werde auf die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung durchschlagen, erklärte der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) am Dienstag in Berlin. Im Januar waren die Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat um 20,7 Prozent weggebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das stark vom Außenhandel abhängt, werde in diesem Jahr voraussichtlich um 3,5 bis 4,0 Prozent sinken. Damit ist der BGA weniger pessimistisch als andere Ökonomen, die ein stärkeres Minus erwarten.

"Dennoch hat Deutschland gute Chancen, den Titel des Exportweltmeisters weiter zu verteidigen, da die chinesischen - wie auch die japanischen - Exporte ebenfalls stark eingebrochen sind und unten bleiben", sagte BGA-Präsident Anton Börner. Im vergangenen Jahr war Deutschland zum sechsten Mal in Folge Exportweltmeister geworden. 2008 war nach 2007 das zweiterfolgreichste Jahr für den deutschen Außenhandel seit Bestehen der Bundesrepublik. Die Warenexporte waren um 3,1 Prozent auf knapp unter eine Billion Euro geklettert, die Dienstleistungsausfuhren auf 161 Milliarden Euro.

BGA: Faule Wertpapiere auslagern

Damit die Weltwirtschaft wieder anspringe, müsse die Finanz- und Vertrauenskrise gelöst werden. Dazu müssten die Bankbilanzen von den "giftigen" Wertpapieren bereinigt werden, forderte Börner. Er schlug ein Modell vor, das einer Kreditversicherung durch den Staat ähnelt. Anstelle einer möglichen "Bad Bank" ("schlechte Bank"), in die die faulen Wertpapiere der Banken zentral ausgelagert werden, sollte es eine "Good Insurance" ("Gute Versicherung") geben.

Unter dieses Modell müssten auch Staatsanleihen aus dem Euro-Raum fallen, forderte der BGA-Präsident. "Wir brauchen ein klares Signal an die Märkte, dass keine Zahlungsunfähigkeit eines Euro-Landes geduldet wird." Sonst würden die Märkte ein schwaches Land nach dem anderen "aufs Korn nehmen" und versuchen, "sie in die Zahlungsunfähigkeit zu treiben. Das würde den Euro sprengen".

Trotz der Vorgaben im EU-Vertrag, wonach die Gemeinschaft nicht für Verbindlichkeiten anderer Mitgliedsländern haftet, müsse hier eine Lösung gefunden werden - etwa vergleichbar den Instrumenten des Internationalen Währungsfonds unter Führung des EU-Ministerrates. "Wenn die hierfür notwendigen Maßnahmen zügig umgesetzt werden, gibt es eine echte Chance, am Ende des dritten Quartals das Ende der Krise zu sehen", sagte Börner. Auf dem Welt-Finanzgipfel nächste Woche in London müssten dazu klare Signale gesetzt werden. (küs/dpa)