Wirtschaftskrise : VW streicht 16.500 Leiharbeiter-Jobs

Europas größter Autobauer Volkswagen streicht wegen der Branchenkrise alle noch verbliebenen Leiharbeiter-Stellen. Die Stammbelegschaft ist nicht betroffen – vorerst. Die Diskussion um Staatshilfen für den Autobauer Opel geht indes weiter. Kanzlerin Merkel fordert eine genaue Prüfung, bevor der Staat einspringe.

Carsten Brönstrup

Berlin - Europas größter Autobauer Volkswagen streicht wegen der Branchenkrise in diesem Jahr alle noch verbliebenen 16 500 Leiharbeiter-Stellen. „Das ist für die Betroffenen nicht schön, aber daran führt kein Weg vorbei“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn dem „Spiegel“. Die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft seien aber vorerst nicht bedroht.

Seit Beginn der Krise hat die deutsche Fahrzeugbranche tausende Stellen von Zeitarbeitern abgebaut. Zudem versuchen die Hersteller, die Nachfrageschwäche durch Kurzarbeit auszugleichen. Mit Blick auf die Stammbelegschaft sagte Winterkorn, wenn es nach Ende dieses Jahres „nicht mehr weitergeht, müsste man über andere Dinge sprechen“. Ein Stellenabbau ist auch in der Metallindustrie nicht ausgeschlossen. „Falls sich die Dauer der Krise noch deutlich in die Länge zieht, werden sich betriebsbedingte Kündigungen leider nicht vermeiden lassen“, sagte Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, der „Passauer Neuen Presse“. Im Februar war die Arbeitslosenzahl überdurchschnittlich stark auf 3,55 Millionen gestiegen.

Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) erinnerte im „Focus“ an das Versprechen der 30 Dax-Konzerne, „Entlassungen im großen Stil zu vermeiden“. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, dank der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes auf 18 Monate gebe es die Chance, dass die Unternehmen bis zur zweiten Jahreshälfte ohne Entlassungen über die Runden kämen, wenn es danach wieder aufwärts gehe. „Sollte das nicht der Fall sein, müsste man über eine weitere Verlängerung des Kurzarbeitergeldes nachdenken.“

Zur Diskussion um Hilfen für den Autobauer Opel sagte VW-Chef Winterkorn, der Staat dürfe bei bedrohten Firmen nicht zur „Rettungsgesellschaft“ werden. Allenfalls Bürgschaften seien legitim. Das Land Niedersachsen ist mit gut 20 Prozent an dem Konzern beteiligt. Bundeskanzlerin Angela Merkel verlangte, bevor der Staat helfe, müsse genau geprüft werden, „ob es eine positive Prognose für das Unternehmen gibt und Banken, die sich engagieren wollen“. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte, es müsse gewährleistet sein, dass staatliche Hilfen nicht indirekt in die USA flössen. Das Unternehmen selbst hatte erklärt, sich von der Mutter GM trennen zu wollen, für das Überleben aber 3,3 Milliarden Euro zu benötigen. EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD) zeigte sich skeptisch zu einer Staatshilfe. Opel sei „nicht systemrelevant“, ebenso wenig wie Daimler, Porsche oder VW.

Die Branche profitiert bereits von der staatlichen Abwrackprämie für Altautos. Dies helfe nicht nur den Herstellern, sondern auch der Zulieferindustrie, sagte Klaus Bräunig, Geschäftsführer des Branchenverbandes VDA, dem Tagesspiegel am Sonntag. mit alf/mot

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