Wissen : 1. Königin zweier Reiche

Sie war schon eine regierende Fürstin, als sie den Thronfolger eines großen Landes heiratete. Glücklich wurde sie mit ihm nicht: Der fromme Gatte hatte, anders als sie, wenig übrig für Kunst und Literatur, und sie hatte wohl wenig Sympathie für den Heiligen Krieg, in dem sie ihn zwei Jahre lang begleitete. Zwei weitere Jahre danach war das Paar getrennt – auch seine Berater hatten zur Annullierung der Ehe mit der unabhängigen Gattin gedrängt. Sie heiratete schnell zum zweiten Mal und war viele Jahre lang glücklich mit dem Neuen. Das Paar bekam acht Kinder, aber es teilte auch politische Interessen. Gemeinsam regierte man die ererbten Länder, zu denen bald ein großes Land kam: Sie war nun zum zweiten Mal Königin.

Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft endete nach vierzehn Jahren doppelt katastrophal: Nicht nur hatte ihr Mann sich für eine andere Frau begeistert – woraufhin sie sich verletzt in die Heimat zurückzog – er ließ sie auch gefangen setzen, als sie die Ambitionen ihrer Söhne auf den Thron unterstützte. Erst nach seinem Tod, Jahrzehnte später, kam sie frei und konnte zeitweise auch wieder regieren, wenn der neue König, ihr Sohn, Krieg führte. Als sie mit über achtzig Jahren starb, hatte sie acht ihrer zehn Kinder aus beiden Ehen überlebt, auch diesen Lieblingssohn, der an einer Schussverletzung in ihren Armen starb. Er wurde berühmter als seine Mutter, durch eine Legende, die jedes Kind kennt und in der er eigentlich nur im Hintergrund mitspielt – als der gute König der Landes, in dem ein edler Räuber den Reichen nimmt und den Armen gibt.


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