Wissen : 100 Jahre deutsche Sportmedizin

Egal ob Bandscheibenvorfall oder Knieprothese, Schleudertrauma oder schmerzender Ischiasnerv – Ärzte setzen heute nicht mehr auf Bettruhe, sondern wollen ihre Patienten möglichst schnell wieder in Bewegung bringen. Das gelte nicht nur für die Orthopädie, betonten Sportmediziner auf ihrem Kongress, der am Samstag in Berlin zu Ende ging. Auch Depressiven tut Sport gut und die Muskelzellen eines Typ-2-Diabetikers können durch Bewegung wieder lernen, Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Das schafft bisher kein Medikament.

Prävention und Rehabilitation standen in der 100-jährigen Geschichte der „Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention“ (DGSP) nicht immer im Mittelpunkt. Ihren Ursprung hat die weltweit älteste nationale Vereinigung für Sportmedizin in der Turn- und Sportbewegung des 19. Jahrhunderts. Mit der Wiederbelebung der Olympischen Spiele 1894 fand sie ihre Verbündeten im Leistungssport. 1912 wurde so in Oberhof das „Deutsche Reichskomitee für die wissenschaftliche Erforschung des Sportes und der Leibesübungen“ gegründet.

Deutschland avancierte zum Mutterland der Sportmedizin. Hier wurde das erste Laufband entwickelt, das erste Fachbuch geschrieben und das erste sportmedizinische Forschungsinstitut gegründet. „Jetzt warten in der Prävention viele Aufgaben auf uns“, sagte der Präsident der DGSP, Herbert Löllgen. Sport sei Therapie für Körper und Geist, in jedem Alter.

„Wir wissen, unsere Biologie ist alt, die Evolution ist langsam, doch unsere Umwelt verändert sich rasant“, sagte Detlev Ganten, Präsident des World Health Summit und Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Charité. Er forderte daher eine „evolutionäre Medizin“: „Das wird ein riesiges Forschungsgebiet, bei dem Bewegung und Ernährung Schlüsselgebiete sind.“ jas

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