Wissen : 2. Ein Journalist, der an das gute Vorbild glaubte

Dass er abends als Politiker heimkehren würde, hatte sich der Journalist morgens nicht träumen lassen. Doch das Gespräch mit seinem Interviewpartner war spannend. Und so schaffte es sein Artikel nicht nur zum ersten Mal auf die Titelseite seiner Zeitung, sondern er wurde selbst gleich Kreisvorsitzender der neu gegründeten Partei, um die es bei dem Interview ging. Später, als er schon längst die politische Karriereleiter hinaufgeklettert und kein freier Autor mehr war, schien er eine der wichtigsten journalistischen Aufgaben vergessen zu haben: Missstände aufzudecken. Er war wegen angeblich falsch abgerechneter Dienstreisen in die Schlagzeilen geraten und bezeichnete die Mitglieder seiner früheren Zunft aus Ärger als Wegelagerer.

Ansonsten wählte er seine Worte aber immer sehr bedacht. Er war ein tief gläubiger Christ, von manchen wurde wegen seiner religiösen Art spöttisch als Bruder bezeichnet. Oft sprach er in seinen Reden die gesellschaftliche Verantwortung an. Als er das im Jahr 2000 an einem besonderen Ort auf Deutsch tat, sorgte er für Aufsehen. Doch war er auch Machtmensch und Strippenzieher, sonst hätte er es nicht so weit gebracht. Dass Rauchen sein Laster war, versuchte er stets zu verbergen. Er wollte schließlich Vorbild sein.

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